Ein Gespräch von Bruno Ziauddin

Das Magazin N°1 – 7. Januar 2017

Es gibt Menschen, denen begegnet man ein halbes Leben lang nicht mehr, und dann stehen sie scheinbar unverändert vor einem – wie einer Zeitmaschine entstiegen, als wären sie in Formaldehyd konserviert gewesen, als hätte jemand am göttlichen DVD-Player die Pausetaste gedrückt. So kommt es mir vor, als mein alter Klavierlehrer Vince Benedetti das Lokal beim Bahnhof Winterthur betritt. Wir geben uns die Hand, setzen uns hin, beginnen zu reden. Als wären seit unserem letzten Treffen zehn Tage vergangen. Und nicht 28 Jahre.

Vince Benedetti ist ein amerikanischer Jazzmusiker, 1941 in Teaneck, New Jersey, geboren. Als junger Mann kam er nach Europa, Anfang der Siebziger liess er sich in der Schweiz nieder. Er leitete die Jazzschule Bern, unterrichtete an der Musikhochschule in Basel, begleitete Weltstars, gab Konzerte in einem Dutzend Länder, entdeckte Diana Krall, mit der er ein Album veröffentlichte.

In den letzten Jahren habe ich mich ein paarmal gefragt, wie es ihm wohl geht. Ich stellte mir vor, dass es für einen wie ihn nicht ganz einfach war, älter zu werden. Wenn man zu den besten Jazzpianisten in Europa gehörte, aber Nieten wie mich unterrichten musste, um sich über Wasser zu halten. Wenn die Diskrepanz zwischen der Meisterschaft, die man in seinem Fach erlangt hatte, und der bescheidenen Anerkennung, die man dafür erfuhr, derart gross war.

Und dann war da noch das andere Thema, das ich mir als ganz besonders schwierig vorstellte: Benedetti ist vor Jahrzehnten zum Islam konvertiert. Als wir uns letztmals sahen, 1988 in einem Übungsraum in Rümlang, war das bestenfalls ein Kuriosum. Inzwischen ist ein globaler Kulturkampf mit dieser Religion im Zentrum entbrannt, den die Extremisten aller Lager gerade dabei sind zu gewinnen. Weiss, Mittelschicht, Amerikaner – Muslim. Wie ging mein alter Klavierlehrer mit dieser schizophren anmutenden Situation um?

Zu unserem Gespräch erscheint Benedetti in Anzug und Krawatte. Er sagt: «Ich bin old school.»

Vince, bringen wir das Unangenehme gleich hinter uns: Ich muss einer der unbegabtesten Schüler gewesen sein, die Sie je hatten.

Wie lange ist es her, dass Sie bei mir waren?

28 Jahre.

Kurz bevor ich Ihren Brief erhielt, dass Sie mich treffen wollen, habe ich an Sie gedacht. So geht es mir hin und wieder: Jemand kommt mir in den Sinn, bald darauf meldet sich die Person, oder ich erfahre etwas über sie. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, ob Sie ein guter oder ein schlechter Schüler waren. Spielen Sie noch Klavier?

Gott bewahre. Selbst wenn ich wollte, ginge das nicht mehr. (Der Interviewer streckt seinen dreifach gebrochenen und schief zusammengewachsenen kleinen Finger in die Höhe.)

Wie ist denn das passiert?

Ich bin gestrauchelt und ungünstig hingefallen.

Es gibt hervorragende Jazzmusiker mit versehrten Händen. Denken Sie an den Pianisten Horace Parlan, der als Kind Polio hatte. Oder an den famosen Gitarristen Django Reinhardt. Nach einem Unfall waren zwei seiner Finger gelähmt. Die Solos hat er nur mit Zeige- und Mittelfinger gespielt!

Okay, falls ich mir einen weiteren Finger breche, nehme ich wieder Stunden. Unterrichten Sie noch?

Nicht regelmässig, ich bin jetzt 75. Manchmal sucht jemand meine Hilfe, dann stehe ich zur Verfügung.

Haben sich die Schüler in all den Jahren geändert?

Was sich mehr als alles andere geändert hat, ist das, was die Leute unter Jazz verstehen. Für mich bezeichnet Jazz eine spezifische Tradition, von der ich ein Teil bin. Heute ist der Begriff zu einer losen Definition für beinahe jede Art von Musik geworden, bei der auf einer Bühne improvisiert wird. Nehmen Sie das Montreux Jazz Festival. Dieses heisst zwar weiterhin so, in Wahrheit aber wird dort nur noch wenig Jazz gespielt. Auch innerhalb der Musikrichtung selbst hat sich einiges verändert – nicht immer zum Guten.

Können Sie das ausführen?

Früher gab es eine gemeinsame Basis, eine Art Kanon. Wir haben alle dasselbe gehört, hatten eine Sprache. Die Sprache des Jazz basierte auf dem, was wir Phrasen nennen. Selbst wenn einer eine Phrase spielte, die schon oft gespielt worden war, hatte sie, je nachdem, wie und in welchem Kontext sie verwendet wurde, eine andere Bedeutung. Nicht anders als bei einer gesprochenen Sprache.

Jeder redet ein wenig anders.

Ja, die Art, wie man formuliert, ist individuell. Aber es braucht eine Grammatik und ein Vokabular, auf das man sich einigt, sonst ist keine Verständigung möglich. Diese Tradition wurde gekappt und durch Tonleitern mit wenig Bezug zur Jazzgeschichte und durch sogenannte Patterns ersetzt. Ein reichlich technischer Ansatz.

Mussten Sie Ihren Unterricht anpassen?

Bei meinem letzten Job ging es um Arrangements. Obwohl der Schüler fortgeschritten war, hatte er manchmal keine Ahnung, wovon ich sprach, weil er all die Sachen nicht gehört hatte, die man gehört haben muss, wenn man Jazzstücke arrangieren will. Unter Mithilfe der Medien wird heute ständig irgendein aufstrebender Musiker oder eine neue Stilrichtung gehypt. Ich versuche, jungen Menschen beizubringen, dass sie durch den Hype hindurchsehen müssen: Vergiss die Show, das Brimborium, die Effekte. Befass dich mit dem, was da ist – mit der Substanz.

Gab es nicht schon immer Hype?

Vielleicht. Der Jazzmarkt ist hart umkämpft, heute noch mehr als früher. Musiker kämpfen um Aufmerksamkeit, Veranstalter kämpfen um Aufmerksamkeit, ebenso die grossen Jazzschulen. Die bekannteste ist Berklee in Boston. Dort hat man schon vor Jahren angefangen, mit Musikagenten zusammenzuspannen. Diese pushen dann die Berklee-Schüler, wo immer es geht. Damit möchte ich nicht sagen, dass das keine guten Musiker sind. Aber es ist nicht mehr in erster Linie ein kulturelles Phänomen, sondern ein ökonomisches. Es geht um Geld, Sponsoren, Marktanteile.

Diana Krall, die von Ihnen entdeckt wurde, war ebenfalls am Berklee College.

Die Geschichte unserer ersten Begegnung ist schon einige Male erzählt worden. Sie geht so: Ende der Achtzigerjahre bin ich eine Zeit lang in Zürich Taxi gefahren. Ich ging damals durch eine Phase, wo ich wenig Konzerte gab. Ich arbeite mich also am Taxistand beim Central nach vorne. Als ich an der Reihe bin, sehe ich, wie eine blonde Frau vom Hotel gegenüber auf meinen Wagen zuschreitet. Sie will zum Hallenstadion in Oerlikon, wo es damals Opernaufführungen gab. Wir fahren los und kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie eine kanadische Musikerin ist und für ein Engagement in der Pianobar des Hotels «Central» in der Stadt ist. An einem der folgenden Abende ging ich hin, um sie zu hören. Es war eindrücklich. Während meiner Taxifahrten studierte ich manchmal an neuen Songs und Projekten herum. Und so hatte ich die Idee, sie für eine Tournee in die Schweiz zurückzuholen. Daraus entstand das erste Album mit Diana Krall.

War Ihnen sofort klar, dass die Frau etwas Besonderes ist?

Oh ja, das war offensichtlich. Obwohl sie erst Mitte zwanzig war, war sie bereits sehr versiert, hatte eine reife Art zu singen und Klavier zu spielen. Später erfuhr ich, dass in ihrem Elternhaus bekannte Musiker ein und aus gingen und sie schon früh mit Jazz in Kontakt gekommen war.

Ich bin auch früh mit Beethoven und Bach in Kontakt gekommen, und meine Eltern waren mit einem Opernsänger befreundet. Gebracht hat es nicht viel. Wie würden Sie Talent definieren?

Talent hat mit Berufung zu tun. Mit dem starken Drang, auf einem bestimmten Gebiet etwas zu schaffen, und dem instinktiven Verständnis, welche Elemente es dafür braucht und wie diese Elemente miteinander zusammenhängen.

Es heisst, Übung macht den Meister.

Natürlich braucht es Übung. Trotzdem glaube ich, dass die Grundvoraussetzung für Kunst etwas Angeborenes ist – eine Gabe, die bereits in dir drin ist und die erweckt wird. Und nichts, das man sich aneignen kann.

Wie war das bei Ihnen? Im Amerika der Fünfzigerjahre muss es ziemlich ungewöhnlich gewesen sein, dass aus einem weissen Mittelschichtkind ein professioneller Jazzmusiker wird.

Ich glaube, Ihre Wahrnehmung ist etwas schief. In der Jazzgeschichte gab es praktisch von Anfang an immer auch Weisse, die diese Musik spielen wollten – denken Sie an Bix Beiderbecke. In meinem Fall war es so, dass die Eltern Big-Band-Swing hörten. Meine Mutter erzählte mir, dass ich als Kleinkind an der Farbe der Etikette erkannte, welcher Interpret auf einer Schallplatte spielte. Wegen meiner älteren Schwester hatten wir bereits ein Klavier daheim stehen. Mit etwa vier Jahren hätte ich angefangen, mein Lieblingsstück – «One O’Clock Jump» von Count Basie – nach Gehör zu spielen und sogar versucht, die passenden Akkorde zu finden.

Vince Benedetti, Jazzpianist (Bild Basil Stücheli)

Vince Benedetti, Jazzpianist (Bild Basil Stücheli)

Jazz war Ihre erste Musik.

Ja, das kann man sagen. Aber um auf das Thema des weissen Mittelschichtkinds zurückzukommen: Bedenken Sie, dass Jazz zwar Teil der schwarzen Kultur ist, aber nur ein ganz bestimmter Teil. Schon damals hörten viele Schwarze andere Dinge – Rhythm and Blues, Gospel, Country Blues. Jazz ist vor allem auch eine zutiefst amerikanische Erfahrung. Afroamerikanisch im Kern, aber mit einer grossen Anziehungskraft auf andere Amerikaner, die sich von dieser musikalischen Sprache berühren liessen und sie sich zu eigen machten. Der Trompeter Clark Terry hat einmal gesagt: Jazz schert sich nicht um deine Hautfarbe.

Die Superstars des Jazz sind praktisch alle schwarz.

Für eine bestimmte Epoche trifft das absolut zu. Die entscheidenden Entwicklungen vom New-Orleans-Stil zu Swing und später zu Bebop wurden von schwarzen Musikern vorangetrieben. Trotzdem halte ich Zuschreibungen wie «schwarze» oder «weisse» Musik für wenig sinnvoll. Wussten Sie, dass es im 18. Jahrhundert afroamerikanische Komponisten gab? Sie komponierten Werke im Stile Mozarts und der Wiener Klassik! Als Sklaven oder ehemalige Sklaven waren sie mit der Musik ihrer weissen Herren aufgewachsen. Sie fühlten sich von der Musik angesprochen und übernahmen sie einfach – eben weil Musik nichts mit Ethnie oder Hautfarbe zu tun hat, sondern Menschen im Innersten berührt.

Wie ging es bei Ihnen weiter, nahmen Sie Jazzstunden?

Als meine Mutter zum Schluss kam, ich hätte ein gewisses Talent, brachte sie eine Klavierlehrerin ins Haus. Die Frau unterrichtete klassische Musik. Das war einige Jahre lang okay, ich übte, hatte keine Schwierigkeiten. Aber irgendwie fehlte das Herzblut. Also engagierte meine Mutter einen Typen, der Popmusik unterrichtete. Das ging überhaupt nicht. Popmusik zu jener Zeit …

Was muss man sich darunter vorstellen?

Ich kann mich nicht genau erinnern, wahrscheinlich waren es irgendwelche amerikanischen Schlager – seichtes Zeug halt. Auf alle Fälle war bald Schluss damit. In der Zwischenzeit lernte ich auch noch Trompete spielen. Als ich dreizehn war, bat mich der Bandleader unserer Highschool, auf Posaune zu wechseln. Für kleinere Kinder ist das Instrument nicht spielbar, wegen der Länge des Zugs. Eines Tages fragten mich ein paar ältere Studenten, ob ich nicht mit ihrer Band in Pennsylvania auftreten wolle. Weil es anständige Jungs waren, erlaubten mir meine Eltern mitzugehen. Etwa zur selben Zeit führte mich ein Freund in die aktuelle Jazzmusik der Fünfzigerjahre ein, ich selbst hatte keine Ahnung davon – Miles Davis, Thelonious Monk, Bud Powell. Das wars! Von diesem Moment an wusste ich, was ich wollte.

Sie gingen bereits Anfang der Sechzigerjahre als junger Musiker nach Europa. Wie kam das?

Mit 23 siedelte ich nach Paris über. Damals verliessen viele Jazzmusiker Amerika. Mit dem Aufstieg der Popmusik wurde die wirtschaftliche Situation immer schwieriger, es gab kaum Jobs. Der Saxofonist, mit dem ich zusammenarbeitete, Pony Poindexter, war kurz zuvor nach Paris gezogen. Er schrieb mir, ich solle doch auch kommen. Also bin ich gegangen.

Und geblieben.

Ja, zuerst lebte ich einige Jahre in Paris, dann in Berlin und München. Während meiner Zeit in Frankreich vermittelte mir ein Freund einen Job mit einer Gruppe afroamerikanischer Gospelsängerinnen. Mit diesen ging ich auf Tournee durch die Schweiz – wir traten im Berner Kursaal auf, im Hazyland im Zürich, in St. Moritz und anderen Skiresorts. So lernte ich das Land kennen.

Reisen Sie noch oft in Ihre alte Heimat?

Mittlerweile bin ich auch Schweizer Bürger. Ich lebe seit über vierzig Jahren fast ununterbrochen hier. In den USA war ich letztmals – wann war 9/11 schon wieder?

2001.

Ah, stimmt. Kurz davor wurde mein Vater krank, weshalb ich einige Monate bei den Eltern in San Diego verbrachte. Seither war ich nie mehr in den USA.

Als ich Ihr Schüler war, äusserten Sie sich sehr kritisch über das Land. Wären Sie nicht selbst Amerikaner, müsste man sagen: antiamerikanisch.

Das ist auch notwendig. In der Schweiz, wie anderswo in Europa, übernehmen viele Medien die anmassende Weltsicht der USA, wer die Guten sind und wer die bad guys. Nehmen wir Putin: Mit wenigen Ausnahmen, dem «Echo der Zeit» zum Beispiel, gibt es keinerlei Verständnis für die russische Position. Wir leben unter der Fuchtel der US-Interessen.

Als amerikanischer Muslim müssen Sie über die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten entsetzt sein.

Er scheint einige schreckliche Dinge gesagt zu haben. Mir persönlich macht das nicht viel aus, aber ich sorge mich um die Muslime in den USA. Allerdings war viel Wahlkampfgetöse dabei. Ich weiss nicht, ob alles stimmt, was in den Medien über ihn geschrieben steht, ebenso wenig, wie er als Präsident sein wird. Was ich hingegen weiss: Er war der einzige Kandidat, der sich selbst finanzierte, während Hillary Clintons Wahlkampf vom amerikanischen Establishment bezahlt wurde, mit dem sie verbandelt ist.

Sie hegen Sympathien für Mister Trump?

Er macht einen grobschlächtigen Eindruck, keine Frage. Ich sage nur, dass er unabhängig ist und niemand weiss, was er als Präsident tun und lassen wird. Was von Clinton zu erwarten gewesen wäre, stand dagegen von vornherein fest – mehr vom Gleichen; eine interventionistische Aussenpolitik und die Wahrung der Interessen des Big Business, siehe TTIP. Das amerikanische Polit- und Wirtschaftssystem ist zutiefst morsch, und die Menschen haben genug davon. Bedenken Sie, dass selbst die Kandidatin der Grünen über zwei Millionen Stimmen gemacht hat.

Als wir uns Ende der Achtzigerjahre kennenlernten, fand ich es zwar ungewöhnlich, dass Sie als weisser Amerikaner Muslim sind, aber …

… ich denke, das ist eine falsche Vorstellung: Auf dem Balkan leben viele Muslime, und die sind alle weiss. Ebenso in der Türkei oder im Kaukasus. Selbst in England gibt es eine wachsende Zahl von Muslimen, die im Land geboren sind und nicht aus Einwandererfamilien stammen. Es ist keineswegs so, dass das Christentum für die Weissen ist und die anderen Religionen für den Rest.

Worauf ich hinauswollte: Damals war Ihre Religion kein grosses Thema. Heute kommen wir nicht darum herum, darüber zu reden. Fühlen Sie sich als Muslim noch wohl in Ihrer Haut?

Ich hatte nie ein Problem. Das mag daran liegen, dass ich als Musiker nicht in die normale Arbeitswelt integriert bin. Wobei: Mein Sohn ist Ingenieur und hat sich neulich um eine Stelle beworben. Beim Vorstellungsgespräch sagte er, dass er Muslim ist und den Ramadan beachtet. Er hat die Stelle trotzdem bekommen.

Und Ihre Nachbarn, was sagen die?

Auch da gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Einige musterten mich anfänglich, weil sie unsicher waren, was das für einer ist. Aber sobald sie dich kennenlernen, sehen sie: Der unterscheidet sich nicht gross von uns. Ich habe einige religiöse Regeln und Speisevorschriften zu befolgen, viele sind es nicht, und dann sind da noch die Gebetszeiten. Aber sonst? Ich gehe zum Fussball, schaue fern, lebe mein Leben.

Seit einigen Jahren leben Sie in Winterthur – ausgerechnet. Die Stadt gilt als Islamisten-Hochburg.

Hochburg? Das dünkt mich arg übertrieben. In Winterthur gibt es mehr als zehntausend Muslime. Die Mehrheit führt ein rechtschaffenes, unauffälliges Leben. Aber klar, es gab diese Probleme mit jugendlichen Besuchern der Moschee in Winterthur-Hegi. Ich war vor langer Zeit letztmals dort, für das Id-Gebet anlässlich des Fastenbrechens.

Was war Ihr Eindruck?

Die meisten Besucher schienen mir ganz normale Gläubige zu sein. Einer kam zu mir und sprach mich besorgt an: Ein Prediger habe die Anwesenden aufgefordert, christliche Grüsse wie «Frohe Weihnachten» nicht zu erwidern, weil das suggerieren würde, dass man selbst an diese Feste glaubt. Das ist Unsinn. Einen Gruss zu erwidern ist ein Akt der Höflichkeit. Davon abgesehen, finde ich, so etwas gehört nicht in die chutba, die Freitagspredigt.

Was gehört hinein?

Eine chutba sollte von gutem Benehmen handeln, denn wir werden für unser Handeln zur Rechenschaft gezogen. Der Prophet selbst sagte: «Ich wurde gesandt, um Charakter und Benehmen der Menschen vollkommen zu machen.» Wenn man den Muslimen in der Schweiz predigt, tut dies nicht, sagt jenes nicht, dann separiert man sie bloss vom Rest der Gesellschaft. Zu Lebzeiten des Propheten tauschten sich die Menschen viel intensiver aus – Juden, Christen, Muslime. Heute gibt es Kräfte, die auf eine Konfrontation hinarbeiten. Alles in allem glaube ich aber, dass das Verhältnis zwischen den Religionen gar nicht so schlecht ist.

Sie konvertierten Anfang der Siebzigerjahre. Damals nahmen etliche bekannte Jazzmusiker den Islam an, etwa Art Blakey oder McCoy Tyner. Wurden Sie davon beeinflusst?

Ganz und gar nicht. Ich lebte ja bereits in Europa, während sich die von Ihnen Genannten der Ahmadiyya-Bewegung anschlossen, die damals in den USA unter Musikern populär war. Es handelt sich um eine Splittergruppierung, die von uns Muslimen nicht anerkannt wird, weil sie die zentralen Glaubenssätze der Religion – die ˇAqīda – erweitert hat. Die Moschee mit dem kleinen Minarett an der Forchstrasse in Zürich gehört übrigens der Ahmadiyya.

Wie haben Sie zum Islam gefunden?

Das geschah 1971, ich war soeben dreissig geworden. Es hatte viel mit zwei Menschen zu tun, denen ich in jener Zeit begegnete, einem amerikanischen Musiker und einem Mann aus dem Sudan. Sie strahlten etwas aus, das mich stark beeindruckte – eine Gelassenheit, eine innere Ruhe, eine intellektuelle Klarheit auch. Ich hingegen war einfach ein junger Mann, der sich mit all den Dingen beschäftigte, mit denen man sich in dem Alter beschäftigt: Freundinnen, Karriere et cetera. Es stellte sich heraus, dass die beiden Männer Muslime waren. Also besorgte ich mir einen Koran in französischer Übersetzung – damals beherrschte ich die Sprache –, um herauszufinden, was an dieser Religion dran war.

Was fanden Sie heraus?

Bis auf zwei Stellen, von denen sich später herausstellte, dass sie falsch übersetzt worden waren, erschien mir alles, was drinstand, vollkommen einleuchtend. Ich las Zeilen, die mich tief bewegten, zum Beispiel diese: «Du kannst an der Schöpfung des Barmherzigen keinen Fehler sehen. Wende den Blick noch einmal hin. Siehst du einen Riss?» Mir war sofort klar, dass kein Mensch diese Verse geschrieben haben konnte, sondern Gott aus ihnen sprach.

Das wars? Ein so grosser Schritt vollzog sich so schnell?

Ich war wohl einfach bereit für diesen Schritt – reif für den Islam. Mein Leben als herumziehender Musiker, mit allem, was dazugehört, hatte sich abgenützt. Kommt hinzu: Ich war immer schon überzeugt, dass es etwas gibt, das grösser ist als ich.

Die Einhaltung der religiösen Verpflichtungen, die Änderung des Lebensstils: Geschah diese Umstellung allmählich oder von einem Tag auf den anderen?

Es gibt dazu einen bekannten Hadith, einen Ausspruch des Propheten: Ein Mann kommt zu ihm und sagt: «Oh Rasūl, ich würde gern Muslim werden, aber ich kann das Trinken nicht aufgeben!» Der Prophet antwortet: «Werde Muslim, und das Trinken wird dich aufgeben.» So war es auch bei mir: Als Erstes berührte mich der Koran in meinem Herzen. Die Lebensführung zu ändern und die schlechten Angewohnheiten aufzugeben, das brauchte Zeit. Je eingehender ich mich mit dem Koran beschäftigte, desto leichter fiel es mir.

Wurden Sie religiös erzogen?

Katholisch, ja. Allerdings war ich nie ein besonders guter Katholik. Schon als Kind machten mir viele Dinge Mühe. Dass man für immer in der Hölle schmort, wenn man Schlechtes tut – dieser strafende Gott, der die Menschen ständig kontrolliert. Der Islam dagegen ist eine Religion der Güte und der Vergebung. Menschen sind nun mal nicht vollkommen, und Gottes Gnade steht über allem. Dann besonders das Konzept der Dreifaltigkeit: Dass ein Mensch – Jesus – als Gottes gleichberechtigter Partner angesehen wird, ist für Muslime inakzeptabel. Wir nennen es schirk, die anmassende Vorstellung, dass irgendetwas auf dieser Welt Gott gleichgestellt sein könnte.

Wie haben Ihre Eltern auf die Konversion reagiert?

Die formelle Konversion ist gar nicht so entscheidend. Ich vollzog sie erst einige Jahre später, zusammen mit meiner Frau, einer Bernerin. Was meine Eltern betrifft: Der Vater sagte mir einmal, dass es ihm Mühe mache, an einen ewigen Gott ohne Ursprung zu glauben. Als meine Schwester schwer krank wurde, bat er mich trotzdem, für sie zu beten. Meine Mutter trieb vor allem der Gedanke um, dass Muslime unter bestimmten Umständen mehrere Frauen haben können. Dennoch haben meine Eltern und ich uns weiterhin verstanden, sie haben nicht mit mir gebrochen.

Lassen Sie uns wieder über Musik reden. Vielleicht kommen wir ja später nochmals auf die Religion zu sprechen. Was haben Sie für eine Beziehung zu Ihrem Klavier?

Wie meinen Sie das?

Es gibt Violinisten, die würden aus dem Fenster springen, wenn ihrer Geige etwas zustösst.

Nun, ich besitze gar kein Klavier mehr. Jenes, auf dem Sie gespielt haben – ein Kawai-Flügel –, habe ich verkauft, als wir für eine Weile ins Ausland gingen. Und die Wohnung, in der wir jetzt leben, ist zu klein für ein neues.

Oh, ist das nicht traurig?

Vielleicht. Immerhin habe ich ein E-Piano mit gewichteter Tastatur. Wenn man mit Kopfhörern spielt, klingt es ganz gut. Das beste Klavier, auf dem ich je gespielt habe, war übrigens ein Bösendorfer – an einem Konzert in Wien. Aber nein, ich habe kein besonderes Verhältnis zu meinen Instrumenten.

Macht ein erstklassiges Instrument nicht einen besseren Musiker aus einem?

So würde ich es nicht formulieren. Aber das, was man spielt, und das, was man hört, stimmt besser überein. Die Musik, die man im Kopf hat, wird zum Leben erweckt, weil die Resonanz des Instruments so gut ist, weil das Instrument einen Sound hat. Dennoch muss man fähig sein, auch auf schlechten Instrumenten zu spielen. Ich erinnere mich an ein Konzert in Bern, im Café Shalimar, wo das Klavier nicht gerade toll war. Ein Kollege von der Jazzschule meinte hinterher: Mann, wie du die Kiste zum Klingen gebracht hast! Dabei war es ein einziger Kampf. Der Anschlag war schlecht, manche Tasten gingen strenger, andere leichter. Das kann einen Musiker schon aus dem Konzept bringen. Ich sage mir jeweils: Da musst du durch.

Sie spielen auch diverse Blasinstrumente. Was haben diese Instrumente, das ein Klavier nicht hat?

Sie bieten einfach eine andere Erfahrung, nicht zuletzt physisch. Das gilt gerade für die Posaune. Die meisten Blasinstrumente, zum Beispiel die Trompete, haben einen hohen Anblaswiderstand, weil das Rohr mehrere Kurven macht. Das hilft dem Bläser, den Luftstrom zu kontrollieren. Die Posaune dagegen macht nur eine grosse Kurve, ansonsten bläst du durch ein gerades Rohr. Kein einfaches Instrument, es braucht eine ziemlich gute Puste. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mein Bassflügelhorn verkauft und auch die Posaune schon länger nicht mehr angerührt habe.

Wieso?

Als Musiker durchlebt man Phasen. Als ich mit Diana Krall zusammenarbeitete, interessierte ich mich gerade für neue klangliche Erfahrungen. Auf jenem Album spielt sie Klavier, während ich vorwiegend mit der Posaune und einem DX7-Synthesizer mit Orgelsound zu hören bin.

Sie sind seit über fünfzig Jahren professioneller Jazzpianist. Erreicht man als Musiker irgendwann einen Höhepunkt, so wie ein Sportler?

In der Musik, und generell in der Kunst, geht es um ein fortwährendes Wachsen. Zumindest sollte es so sein. Wenn jemand aufhört, sich weiterzuentwickeln, ist das eine traurige Sache. Ohne mich aufplustern zu wollen: Ich bin überzeugt, dass ich heute ein besserer Musiker bin denn je.

Wie haben Sie es geschafft, nicht stehen zu bleiben, sich nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben?

Das Wichtigste ist die ständige Bereitschaft, von anderen zu lernen. Es hat nie jemanden gegeben, von dem ich nichts gelernt hätte – und sei es, dass man lernt, wie man etwas nicht macht.

So gesehen, konnten Sie sogar von mir profitieren.

Durchaus! Man muss selbstkritisch bleiben, ohne überkritisch zu werden, wozu Künstler neigen. Worum es im Jazz wirklich geht: dass man einen Flow hinbekommt, dass man die Dinge entstehen lässt, ohne sie zu sehr zu forcieren. Anders als etwa Literatur geschieht Musik in Echtzeit. Es braucht die Fähigkeit, ganz im Moment zu sein – zuzulassen, dass das Wunder namens Musik sich vor dir entfaltet, ohne dass du weisst, was in der nächsten Minute passieren wird. Ich habe darüber gesprochen, dass Jazzmusik eine gemeinsame Grammatik und ein Vokabular braucht. Ebenso bedarf sie jedoch der Fähigkeit zur Spontaneität und zum Loslassen.

Klingt nach einer anspruchsvollen Balance zwischen Konzentration und Lockerheit.

So ist es. Du musst fokussiert sein und zugleich das tun, was im Basketball play the ball heisst – den Ball laufen lassen. Mal ist er hier, mal da, mal kommt er hoch, mal flach. Die Situation ändert sich ständig, darauf musst du reagieren, ohne dich zu verkrampfen, ohne den Ball an dich reissen zu wollen. Sonst unterbrichst du den Flow.

Sie sind einer der besten Jazzpianisten in Europa. Hätten Sie dasselbe Level als Sportler oder Popmusiker erreicht, wären Sie heute reich und berühmt. Hadern Sie manchmal damit?

Wenn man jung ist, hat man Fantasien bezüglich der eigenen Karriere, das ist normal. Ich habe mich schon lange damit abgefunden, dass man als Jazzmusiker, von Ausnahmen abgesehen, weder reich noch berühmt wird. Ausserdem war Reichwerden nie ein Ideal von mir. Ich halte mich im Gegenteil für privilegiert, weil ich einen Beruf ausübe, in dem es nicht darum geht, materiellen Dinge hinterherzujagen.

Allerdings ist man in der Schweiz von Wohlstand umzingelt – und Sie leben in einer Wohnung, die zu klein ist für ein Klavier. Nervt Sie das nie?

Ich war diesbezüglich schon immer unbeschwert – ein Happy-go-lucky-Typ. Aber zugegeben, mit dem Alter macht man sich mehr Gedanken. Und ich hätte nichts dagegen, ein Haus zu besitzen. Jedoch bezweifle ich, dass dies demnächst geschehen wird.

Ich erinnere mich, wie Sie zu Beginn einer Lektion eine Aufnahme von Barry Harris abspielten, «Is You Is or Is You Ain’t My Baby». Irgendwann murmelten Sie: «Ach, wenn ich nur so spielen könnte!» Es muss hart sein, wenn man auf Ihrem Niveau zur Einsicht gelangt: Andere sind einfach besser.

Er war besser! Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Oder genauer: Er ist es immer noch. Wir sind befreundet und sehen uns regelmässig.

Sind Sie manchmal neidisch auf Ihren Freund?

Nur in dem Sinne, dass ich gern sein Level erreicht hätte. Aber nicht, dass ich ihm den Erfolg missgönnen würde. Übrigens ist es schon vorgekommen, dass Barry Ähnliches über mich gesagt hat. Man muss es so sehen: Niemand kann alles, und niemand kann ganz für sich allein Musik machen. Als Musiker hörst du den anderen zu, übernimmst Dinge, versuchst sie in dein Spiel zu integrieren. Das ist kein Wettkampf, in dem es darum geht, wer der Beste ist.

Sie haben mit zahlreichen Legenden gespielt – Stan Getz, Dexter Gordon, Chet Baker, Buddy DeFranco, Roy Eldridge. Der Bekannteste aber war Dizzy Gillespie. Wie kam das?

Er tourte allein durch Europa, und sein Agent suchte lokale Musiker, die mit ihm arbeiten. Durch eine glückliche Fügung hatte ich zweimal die Gelegenheit, ihn zu begleiten. Einmal in Italien und einmal, Anfang der Siebziger, am Jazzfestival von Châteauvallon in Südfrankreich. Diesen Auftritt gibt es übrigens auf Youtube. Da werden Sie einen jüngeren, leicht anders gekleideten Vince Benedetti sehen.

Wie hat es sich angefühlt, mit einem der Allergrössten aufzutreten?

Ich war ein wenig nervös, das ist normal für einen jungen Musiker. Dennoch meinte Johnny Griffin hinterher, ich sei der Einzige gewesen, der bei «I’ll Remember April» ein gutes Solo hingelegt hätte. Ich denke nicht, dass das völlig der Wahrheit entsprach, aber nett war es trotzdem. Dizzy selbst war nicht mehr ganz auf der Höhe seines Schaffens. Er wurde in jener Zeit ein wenig kommerzieller, spielte Dinge wie «Summertime». Trotzdem war es eine unglaubliche Erfahrung, mit jemandem arbeiten zu können, der eine solche Geschichte hat.

Es gibt etliche grosse Jazzmusiker, etwa John Coltrane, bei denen die Hinwendung zu religiösen oder spirituellen Inhalten starken Einfluss auf ihr Spiel hatte. Ging es Ihnen auch so?

Nicht wirklich. Ich war mir immer sehr im Klaren darüber, in welcher Tradition ich stehe, und hatte, abgesehen von einer kurzen Experimentierphase mit Modalem Jazz, nie das Bedürfnis, daran etwas zu ändern. Der grösste Unterschied bestand darin, dass die Musik fortan nicht mehr das Wichtigste in meinem Leben war. Sondern das Gebet.

Birgt das nicht die Gefahr, dass man seinen Beruf nicht mehr mit derselben Hingabe verfolgt?

Das Gegenteil trifft zu. Wenn du aufhörst, etwas zu verherrlichen, wirst du besser darin, weil du dich entspannst. Zudem hat mich der Glaube fokussierter gemacht, klarer im Kopf. Er hat mir geholfen, mich als Musiker auf die Essenz zu konzentrieren und das Drumherum beiseitezuschieben.

Für gewisse Muslime ist Musik haram, Sünde.

Das ist völlig falsch. Es gibt absolut nichts im Koran, nichts in der Lebensführung des Propheten und keinen einzigen Hadith, woraus man diesen Schluss ziehen könnte. Vor ein paar Jahren habe ich eine Zeit lang in Granada gelebt und zu dem Thema einen Vortrag gehalten. Es gibt dort eine grosse Moschee, und der Direktor des islamischen Zentrums bat mich, vor der Gemeinde über Musik zu sprechen. Um mich vorzubereiten, habe ich Leute konsultiert, die wir Ulamā nennen, Religionsgelehrte. Sie bestätigten mir: So etwas wie verbotene Musik existiert nicht.

Trotzdem gibt es Strenggläubige, etwa die Wahhabiten, die genau das behaupten.

Ja, ja, ich weiss. Bei gewissen Gruppierungen ist alles verboten! Allerdings ist ihr Verständnis des Islams schlicht falsch. Es gibt Dinge, die mit sehr gutem Grund verboten sind. Musik gehört bestimmt nicht dazu.

Und was gehört dazu?

Unzucht oder Ehebruch zum Beispiel. Im Koran steht, dass Eheleute einander verbindlich verpflichtet sein sollen. Heute Sex und morgen Goodbye, das geht nicht, auch wenn viele Menschen so leben. Diese Art von Verbot ist jedoch nur zu unserem Besten, gerade auch der Frauen. Die haben es heutzutage nicht einfach.

Der Islam steht nicht im Ruf, frauenfreundlich zu sein.

Wussten Sie, dass die Geschichte von Adam und Eva – oder Hawa, wie sie bei uns heisst – auch im Koran vorkommt? Allerdings wird die Schuld nicht auf die Frau geschoben. Der Fehler liegt bei beiden. Ohnehin sieht der Islam Mann und Frau als Partner. Khadija, die erste Frau des Propheten, war eine Geschäftsfrau. Er arbeitete für sie, und sie war es, die ihn fragte, ob er sie heirate. Was aber heute als Freiheit und Gleichberechtigung verkauft wird – etwa das anything goes bei der Kleidung –, entpuppt sich zunehmend als eine Form von Unfreiheit und Zwang. Bescheidenheit und Zurückhaltung sind Tugenden, die im Westen nicht mehr hoch im Kurs stehen.

Das Ich steht über allem.

Alles dreht sich um die Glorifizierung des Egos. Heutzutage ist viel von der Verteidigung christlicher Werte die Rede. Aber wie viele Leute, die so reden, halten sich an diese Werte? Die meisten sind nicht einmal gläubig. Hat Jesus nicht die Geschäftemacher aus dem Tempel geworfen? Und hier sind wir im Land der Banken, wo Geld den höchsten Wert darstellt.

Es war schön, Sie nach so langer Zeit wiederzusehen, Vince! Und es ist schön zu sehen, dass es Ihnen gut geht. Ich hätte mir auch vorstellen können, dass all die Dinge, die in den letzten Jahren auf der Welt passiert sind, Sie bedrücken.

Das ist nicht meine Art, al-hamdulillah. Manchmal gehe ich in den Garten, grabe Erde um, pflanze Blumen. Oder ich helfe meiner Frau, den Boden zu wienern. In solchen Momenten kann es vorkommen, dass ich mich nützlicher fühle, als wenn ich auf der Bühne stehe. Es fühlt sich mehr wie richtige Arbeit an – nicht umsonst redet man von Musik spielen. Was für ein Privileg! Ja, ich bin zufrieden, im Reinen mit mir. Und dankbar, dass ich diesen Weg gehen durfte.

Joyful Sadness. The Music Of Vince Benedetti, TCB 2011

Granada Calling. Vince Benedetti Hardbop World, TCB 2009

Heartdrops. Vince Benedetti Meets Diana Krall, 1990

Der Fotograf Basil Stücheli lebt in Zürich