Der Stock im Arsch der Schweiz

Eine Kolumne von Hazel Brugger

Das Magazin N°10 – 11. März 2017

Ich hasse die Schweiz nicht. Das wäre übertrieben. Ein Land zu hassen ist genauso dumm, wie auf ein Land stolz  zu sein.

Ich hasse die Schweiz nicht, aber die passiv-aggressive Verklemmtheit hier macht mich manchmal echt fertig: You can enjoy delicious meals, snacks and refreshing beverages in the SBB restaurant in the middle of the train.

Der Stock im Arsch der Schweiz ist ein harter Laugenknüppel aus Reichtum und lähmender Panik. Ein hart gebackener, weltfremder Klotz, der sich nur wenige Jahre nach dem Schliessen der Fontanelle im Darm des Schweizers als teigiger Parasit einnistet. Um dann mithilfe von Fleiss, Isolation und Erziehung so lange dort zu gären, bis der Wirt sich kaum noch ohne Schmerzen bewegen kann.

Das hat natürlich nicht nur schlechte Seiten, so ein Rektalbrötchen kann wahnsinnig stimulierend sein für Darm und Prostata. Man kann damit auch ohne Mühe aufrecht sitzen und wunderbar teilnahmslos geradeaus schauen beim Warten auf das grüne Lichtsignal. Aber tanzen kann man mit so einer Steisskrücke nicht. Geschweige denn, mit einem Fremden einen Lachanfall erleben, OMG, stellen Sie sich das mal vor, hilarious.

Es gibt aber auch Tage, an denen ich froh bin, in der Schweiz zu sein. Wenn ich krank bin und zum Arzt muss. Oder wenn ich unter Zeitdruck stehe und Zug fahre. Usw. usf. Tage, an denen irgendetwas unbedingt funktionieren muss. Kein Raum für Interpretation oder Herzlichkeit, das kann die Schweiz wie keine Zweite.

Weil – die Schweiz ist nicht cool. Und eine Frau ist immer entweder cool oder sexy. (Natürlich kann Coolness sexy sein, und so ist die Frau am Ende dann für einen beides, aber als Ursprungseigenschaft geht nur eins von beiden.) Die Schweiz ist extrem sexy. Sie geht jeden Tag ins Fitnessstudio, weiss genau, was sie isst, und sagt Sätze wie: «Das [Oberteil] kann ich gut mit dem [Accessoire] kombinieren.»

Es ist nicht schlimm, wenn du einfach nur sexy bist. Überhaupt nicht, ich kenne viele schlaue Frauen, die nichts lieber wären als einfach nur richtig, richtig sexy. Aber du kannst nicht mit Gisele Bündchen zusammen sein und dann erwarten, dass sie nachts besoffen mit dir auf dem Parkplatz vom Burger King in Regensdorf dreissig Chicken Wings verschlingt, während ihr zu Frank Zappas «Muffin Man» zappelt wie die Irren. Wenn du Glück hast, isst Gisele mit dir im Sommer eine selbst gemachte Wasserglace. Wasserglace ist extrem sexy.

Und was ist Wasserglace? Wasserglace ist gefrorene Limonade mit einem Stock im Arsch.