Mein dummes smartes Thermostat

Eine Kolumne von Oliver Zimmer

Das Magazin N°10 – 11. März 2017

Letzten Sommer liess ich bei mir zu Hause ein neues Heizgerät installieren. Beim alten musste alle drei Monate der Sanitär erscheinen, was ziemlich ins Geld ging. Dazu gabs ein sogenanntes «Smart Thermostat» namens Tado, ein Produkt mit einem einwandfreien Ruf. Diese modernen Geräte werden seit Kurzem auch in England von allen Energiefirmen aggressiv und mit Unterstützung der Behörden vertrieben. Vielleicht haben Sie bereits davon gehört.

Mit einem solchen Thermostat wird die Heizung über das Smartphone reguliert. «Smart» oder «intelligent» wird das Thermostat genannt, weil es die Bewegungen und die Heizgewohnheiten der Bewohner registriert. Verlasse ich mein Zuhause, sinkt die Temperatur ab. Sobald ich mich abends in Bewegung setze, um vom  Büro nach Hause zu gehen, registriert dies mein Tado und wirft die Heizung an. Tado weiss nun bereits, wie lange die Reise vom Büro nach Hause ungefähr dauert. So kann es die Intensität beim Heizvorgang optimieren. Tado ist so aufmerksam wie ein Border Collie. Und beinahe so intelligent.

Setzt das W-LAN einmal aus, was ja bekanntlich vorkommt, lässt sich die Heizung nur manuell bedienen. Probleme dürften auch bei Familien auftreten, bei denen nicht jeder ein Smartphone besitzt oder nicht alle mit einer Flatrate unterwegs sind. Sie hören für Tado in dem Moment auf zu existieren, in dem sie sich aus dem Wireless-Router ausklinken. Wenn das Hausmitglied mit dem bestdotierten Smartphone-Abo weggeht, kann es für Daheimgebliebene unter Umständen kalt werden. Sie sind dann ständig damit beschäftigt, die Heizung via Smartphone einzuschalten bzw. zu justieren. Auch nicht ganz unbedenklich ist der Umstand, dass man dank dem Smart Thermostat noch ein wenig mehr zum gläsernen Bürger wird, als man es eh schon ist. Intelligente Wohnraumthermostate registrieren all unsere Bewegungen und Heizgewohnheiten. Da ist es doch beruhigend, dass der Datenschutz so einwandfrei funktioniert.

Als die Temperatur hier in Oxford vor einigen Wochen deutlich unter den Gefrierpunkt sank, versagte mir die Heizung ihren Dienst. Und wie sich bei der Inspektion herausstellte, lag es am intelligenten Thermostat. Wahrscheinlich hatte ein kurzer Aussetzer der W-LAN-Verbindung Tado dazu veranlasst, die Heizung bis auf Weiteres von der Stromzufuhr zu trennen. Beim Kaffee erklärte uns der Servicemonteur, dass seine Firma mit dem Produkt, das sie nach wie vor intensiv vermarktet, grosse Probleme habe. Bei vielen Heizungsaussetzern sei das Smart Thermostat die Ursache. Ich sei also beileibe kein Einzelfall. Er selber reguliere sein Gasheizgerät selbstverständlich mit einem konventionellen Thermostat. Ich griff daraufhin zum Hörer und bestellte mir ebenfalls ein solches. Dabei fragte ich die Sachbearbeiterin, wie sie es mit der Heizung halte. Ob sie ihre via Smartphone bediene. «For heaven’s sake, no!», gab sie zur Antwort.

Als ich aufgelegt hatte, war es im Wohnzimmer angenehm warm. Und auch der Heizungsmonteur war nach dem zweiten Kaffee blendend gelaunt: «Take back control!», sagte er.