Newsletter

Eine Kolumne von Hazel Brugger

Das Magazin N°12 – 25. März 2017

In einem Anfall von Selbstsäuberung habe ich alle meine Newsletter abbestellt. Es war ein mühseliges Geklicke und Getippe, aber wenigstens weiss ich jetzt nicht mehr immer sofort, welche drei homoerotischen Nischenromane im Berliner Eigenverlag eines distanzierten Freundes rauskommen. Das Konzept von Newslettern ist absurd. Irgendein digitaler Hausierer sucht einen in unregelmässigen Abständen heim und schreit einem komplett subjektive Erkenntnisse ins Postfach.

Und wir freuen uns sogar darüber. Es macht Ping und Swoosh und Plopp, und dann ist da ein blauer Punkt! Eine ungelesene Mail, oh, jemand denkt an uns, das kurze Gefühl von Liebe strömt durch uns wie Denner-Bier durch die Leber des Hooligans. Flüssiges Sonnenlicht, jemand denkt an mich, ich bin kein schlechter Mensch! Ich werde nicht allein sterben, an meinem Grabe soll es Blumen regnen, die vom Kot der Würmer in mir gedüngt werden sollen! Auf dass die Blumen gross und kräftig bleiben, wild pulsieren voll vom Leben, das mir einst so gut gefiel.

Oh, Fehlalarm. Es ist nur wieder Kieser Training Oerlikon mit Werbung für einen interessanten, aber nicht in meinen Terminplan passenden Vortrag über Beweglichkeit im Alter. A letter with news. Nun auch noch airberlin, die fragt, was ich mit meinen Top-Bonuspunkten machen will. Newsletter! Als ob es Briefe gäbe, in denen keine News stünden. Der ganze Sinn eines Briefes liegt darin, Informationen auszutauschen, die der Empfänger noch nicht gekannt hat. Ein Brief ist doch kein verbaler Furz, den man sich lustlos beim Apéro riche zusteckt, um darüber hinwegzukommen, dass die Lauch-Miniquiches nicht selber gemacht sind. Vor 500 Jahren war ein Brief noch ein Event. Da sass irgendein zartflaumiger Mönchsknabe am Schreibtisch und ritzte die mühsam erlernten Buchstaben in eine Schweinehaut, bis ihm die Knöchel schmerzten und die Hoden pochten. Und wenn er einen Fehler gemacht hat, gab es eine klerische Kopfnuss.

Der Brief wurde dann von einem Boten über alle Lande getragen, zu Pferde durchs Toggenburg, über Hügel und Wiesen, manchmal ist er knapp dem Tod entronnen, alles für die Übermittlung der frohen Kunde! Sonderangebote bei Ikea! Kauf jetzt einen Teppich, und du kriegst ein geschmackloses, vorgerahmtes Kunstfoto vom Eiffelturm gratis dazu! So eins, wo alles schwarz-weiss ist bis auf einen roten Ballon, der grell raussticht und einfach Knaller aussieht.

Ich hätte den Boten mit Pfeil und Bogen zur Strecke gebracht. Betreff: «abmelden