Von Anuschka Roshani

Das Magazin N°20– 20. Mai 2017

Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt man. Wenn das stimmt, müsste meine Angst, rein rechnerisch betrachtet, unbedeutend klein, geradezu nichtig ausfallen – wie oft bin ich schon auf Menschen getroffen, die dieselbe Angst plagt. Sogar Ärzte waren darunter.

Und ja, insofern stimmt es: Meine Angst gehört nur zu jenen Ängsten, die man «latent» nennt, die wie ein Schwarm Krähen auf einem Ast meines Hirnstammes sitzen, um ab und an plötzlich auseinanderzustieben, sich mit flatternden Flügeln in die Lüfte emporzuschwingen und für wenige Momente die Atmosphäre heftig aufzuwirbeln. Aber klein? Nein, das ist sie nicht, bloss nicht andauernd merklich.

Trotzdem nutzte ich die Pausen von meiner Angst dazu, mich mit Wissen gegen sie zu wappnen. So war es mir zum Beispiel nicht zu blöd, einen befreundeten Neurochirurgen mit meiner Sorge zu belästigen, obwohl ich weiss, wie sehr es Mediziner hassen, sich privat die Wehwehchen ihrer Bekannten anhören zu müssen.

Aber ich konnte nicht anders; der Gedanke, in meinem Kopf zerfalle etwas, hatte sich schon zu fest in ebenjenen Kopf gekrallt. Wie sehen die ersten Anzeichen von Alzheimer aus?, wollte ich herauskriegen, damit ich die Antwort blitzschnell mit meinen Symptomen abgleichen konnte – oder dem, was ich für Symptome halte.

Anfangs passierten mir bloss Buchstabendreher; statt «Lampe» fiel mir etwa «Ampel» aus dem Mund. Inzwischen sind es nicht mehr ähnlich klingende Wörter, die mir in den Sinn schiessen und die in dem Satz, den ich sagen will, gar nichts zu suchen haben, sondern meist Wörter aus einem verwandten Kontext. Statt etwa den Namen des Kollegen, den ich sagen möchte, spreche ich den eines anderen aus. Kaum geschehen, wende ich beinahe reflexartig eine Selbstberuhigungsmassnahme an: Ich rede mir ein, dass es erstens ein gutes Zeichen ist, dass mir mein Fehler überhaupt auffällt, und dass zweitens das benannte Ding wohl schlicht in der Nachbarschublade meines Gehirns abgelegt ist. Als wäre mein Gedächtnis ein geräumiger, ordentlicher Speicher. Aber das hält nicht lange an, und schon flüstert der Zweifel mir wieder den immer selben Satz zu: Das ist nicht mehr normal.

Als er lauter wurde, vor Jahren schon, ging ich zum Neurologen. Seine erste Frage an mich war, ob ich ausreichend und gut schlafen würde. Ich bejahte, wenngleich die Nächte, die von Stillen und Babygeschrei zerrissen waren, noch der jüngeren Vergangenheit angehörten. Danach machte er einen Test mit mir: Er legte den Finger an seine Armbanduhr und danach an seine Brille, und ich sollte benennen, worauf er zeigte. Fast hätte ich aufgelacht, so albern kam mir das vor; wieso sollte ich so etwas Einfaches nicht können? Insgeheim wunderte ich mich ohnehin, dass er meine Sorge, ich könne erste Anzeichen von Demenz haben, ernst nahm.

Eine Spezial-Hypochondrie

Längst nämlich ist mir klar, dass ich eine Hypochonderin bin. Damals beim Arzt aber musste ich einsehen, dass ich zu einer Spezialform von Hypochondrie neige: dass ich mir die schlimmsten Krankheiten zwar ausmale, dies aber in der tiefen Überzeugung, kerngesund zu sein. Und doch ist es weniger ein Flirt mit dem Kranksein, der mir irgendeinen sonderbaren Lustgewinn verschafft, sondern wohl eher Ausdruck einer gelegentlich ungesund überschiessenden Fantasie.

Umso überraschter war ich, als ich, frisch aus der Röhre geschoben, erfuhr, auf dem MRI-Bild meines Gehirns befänden sich «unspezifische weisse Flecken», die in so grosser Zahl für mein Alter untypisch seien. Sie könnten auf kleinere Hirnschläge hinweisen, auf multiple Sklerose oder tatsächlich auf eine frühe Form von Demenz – auf jeden Fall bedürften sie weiterer Abklärungen.

In den zwei Wochen, bis das Ergebnis der Rückenmarkpunktion vorliegen sollte – ob ich an MS leide –, lag ich nachts immer wieder wach und fragte mich, was wäre, wenn ich bald zum Pflegefall würde.

Schliesslich war der Befund beziehungsweise Nichtbefund da: und mein Aufatmen. Meine Gedächtnisprobleme, die damit allerdings nicht ausgeräumt waren, erklärte sich der Neurologe nun mit dem starken Vitamin-B-Mangel, den das Blutbild ergeben hatte. Er entliess mich mit der Empfehlung zu überprüfen, ob es sich nach der Vitaminspritze bessern würde, und machte keinen Hehl daraus, dass mir ausser Selbstbeobachtung nicht viel bleibe, weil man nach wie vor über keine tauglichen Früherkennungsmethoden für Alzheimer verfüge. So oder so riet er mir, das MRI in einem halben Jahr wiederholen zu lassen – würden die weissen Flecken bis dahin nicht zunehmen, gebe es keinen Grund zur Sorge. Dann könne man davon ausgehen, dass sie bereits pränatal angelegt gewesen seien.

Was, schon vor meiner Geburt? Ich war – so unbeschwert ich in meinen Alltag hätte zurückkehren können – fassungslos: Trotz meiner ständigen «Synapsenfehler», wie ich es kokett bezeichnete, war ich sicher, ein gut funktionierendes Gehirn zu besitzen, das allenfalls in einer ferneren Zukunft seinen Dienst nicht mehr anständig verrichten würde. Mit einer kleinen Verzögerung fiel mir ja das richtige Wort, der richtige Name jedes Mal ein, nur dummerweise auf Anhieb nicht mehr.

Leider musste ich in der Zeit danach feststellen, dass es nicht besser wurde, im Gegenteil. Ich hatte das Gefühl, dass mir meine Synapsenfehler an manchen Tagen einige Dutzend Male passierten. Inzwischen durchquerte ich ab und zu ein Zimmer und hatte, am Ende des Raumes angelangt, vergessen, was ich hatte holen wollen. Oder ich machte die Kühlschranktür auf, um etwas hineinzulegen, das in den Abfallkübel gehörte. Oder ich tippte einen Text und schrieb die Buchstaben im ersten Anlauf regelmässig in der falschen Reihenfolge. Einmal starrte ich sogar auf die Bahnhofsuhr und brauchte einen Augenblick, bis ich wusste, ob es Viertel nach oder Viertel vor drei war. Und hatte ich nicht ein halbes Jahr in unserer Wohnung fieberhaft nach meinem Schmuck gefahndet, weil mir mein Versteck vor möglichen Einbrechern partout nicht mehr einfallen wollte? Das ist nicht mehr normal.

Oder war ich bloss fahrig, machte ich generell alles einen Zacken zu schnell, automatisch? Aber mir gingen auch sonst nicht mehr so leicht Dinge in den Kopf wie früher. Musste ich mich, wie der befreundete Neurochirurg gesagt hatte, einfach mit der unausweichlichen Tatsache anfreunden, dass mein Hirn altert und dadurch langsamer und schwerfälliger wird? Dass es den Verschleiss von Jahrzehnten auf dem Buckel hat, wie der Rest meines Körpers?

To-do-Listen schrieb ich längst nicht mehr, wie in meinen Dreissigern, zum Vergnügen, um einen Punkt nach dem anderen genüsslich abhaken zu können, sondern aus purer Notwendigkeit – weil mir ohne all die Post-its entfallen wäre, was ich zu erledigen hatte. Dass mein Schreibtisch manchmal mit gelben Zettelchen übersät war, daran meinte ich mich eigentlich gewöhnt zu haben. Und stutzte ich doch wieder mal, weil ich etwas durcheinandergebracht hatte, von dem ich dachte, ich hätte es mir fehlerfrei eingeprägt – dann fanden sich zum Glück zuhauf gleichaltrige Freundinnen und Freunde, die mir versicherten, ohne Erinnerungsstützen seien auch sie verloren. Ausserdem gab es ja immer noch das kollektive Gedächtnis, das Internet, das einem Wissenslücken jederzeit kaschieren half.

Bis zum Jahr 2024, las ich, werde die Zahl der Demenzkranken in der Schweiz auf 300 000 ansteigen. Vielleicht wäre irgendwann das halbe Volk geistig verwirrt?

Wann immer ich mich traute, meine Bedenken zu äussern, erfuhr ich die gleiche Reaktion: Ich würde mich einfach zu aufmerksam selbst beobachten und sei gedanklich vermutlich immer schon einen Schritt weiter. Bestimmt hätte ich einen zu hohen Anspruch an mich und mein Gehirn, verwöhnt von seiner grundlegend tüchtigen Arbeit. Dabei ging es mir wirklich nicht darum, ein Blitzmerker zu sein; ich wollte nur, dass alles in meinem Schädel einigermassen seine Ordnung hatte.

Wohin ich schaute, entdeckte ich neue – objektive – Indizien. Weltweit sind 46 Millionen Menschen von einer der vier Demenzformen betroffen. 144 000 Schweizer leben, Schätzungen zufolge, mit einer Demenzerkrankung, darunter Alzheimer. 27 000 Schweizer erkranken jährlich neu daran. Bis zum Jahr 2040 werde diese Zahl auf 300 000 Kranke ansteigen, las ich. Schon jetzt seien mehr als 3000 Schweizer vor dem Pensionsalter an Alzheimer erkrankt. Vielleicht wäre irgendwann das halbe Volk geistig verwirrt?

Auf einmal schien mein Blick magnetisch angezogen zu werden von Broschüren und Anzeigen zum Thema, wie von denen der Schweizerischen Alzheimervereinigung – sollte mir das nicht etwas bedeuten? Kurz darauf bot man mir auch noch an, ein journalistisches Gespräch mit einer jungen Alzheimer-Patientin zu führen; auch das kein Zufall, sondern ein Zeichen?

Ich brauchte fast ein Jahr, um genug Mut zu sammeln und Rita Schwager zu treffen.

Ohne mich kann ich nicht leben

Sie holte mich am Bahnhof ihres Dorfes im Kanton Schwyz ab, eine hübsche Frau von 57 Jahren, der die Gesundheit ins Gesicht geschrieben schien. Sie begrüsste mich mit Namen, was mich verblüffte; später erklärte sie mir, sie habe ihn auf dem Weg zum Bahnhof pausenlos vor sich hin gesagt, damit sie ihn auf keinen Fall vergessen würde.

Wie ich erfuhr, war das ihr Programm, mit ihrer Frühdemenz umzugehen: Sie hatte sich ein strenges, von enormer Disziplin zeugendes Alltagspensum auferlegt, um gegen den Verfall anzukämpfen. Sie las Romane auf Französisch und Englisch und versah die Buchseiten mit etlichen Bleistiftanmerkungen zu den auftretenden Figuren und Handlungsfäden. Sie absolvierte täglich zwei Stunden Powerwalking, dazu Gedächtnistraining, suchte sich zu allem Bilder, um sich etwas besser merken zu können – lauter «Überlebensstrategien», welche die Zerrüttung ihres Gehirns verzögern sollten.

Dabei blieb sie mitleidlos gegen sich selbst: Rita Schwager war ohne jede Illusion, sah ihrer Realität, die unbarmherzig gegen sie gerichtet war, nüchtern ins Auge – und gab doch nicht auf. «Wenn ich Glück habe, bleiben mir noch zwei Jahre, vielleicht drei», sagte sie. «Aber jetzt kommt mir meine vielleicht grösste Gabe zugute: dass ich nach einer schlimmen Kindheit immer alles ganz extrem empfunden habe und auch aus etwas Unschönem etwas Schönes machen kann.» Sie habe sehr intensiv gelebt und könne mit jeder Faser geniessen, erzählte sie – selbst ihre Sehnsucht nach Kuba habe sie noch auf einer betreuten Reise stillen können. Dankbar sei sie. Auch für die Energie, die sie nach wie vor besitze. Als alleinerziehende Mutter sei sie all ihre Anstrengung aber auch ihrem Sohn und ihrer Tochter, beide Anfang zwanzig, schuldig. Und sie wolle anderen Betroffenen helfen: Nachdem sie sich mit der Krankheit von den Ärzten sehr allein gelassen fühlte, gründete sie die erste Selbsthilfegruppe in der Deutschschweiz für Früherkrankte – der Jüngste unter ihnen ist Mitte vierzig.

Froh machte sie dabei der Umstand, dass sie «noch locker mithalten kann mit dem Kollegen der Gruppe, der die Diagnose als Letzter von uns erhielt». Dennoch hatte sie schweren Herzens aufgehört, Auto zu fahren und zu kochen – mittags ging sie jetzt ins Seniorenheim zum Essen. Sie mochte für ihre Mitmenschen kein Sicherheitsrisiko werden. Deshalb hatte sie ihren Sohn ein halbes Jahr zuvor mehr oder weniger aus dem Haus geschmissen; ihre Kinder sollten in ihren eigenen Leben angekommen sein, wenn ihr Leben seinem Ende zuging.

Ich war sehr beeindruckt von Rita Schwagers Grösse und Tapferkeit. Sie beklagte ihr Schicksal nicht, hoffte lediglich, dass die Forschung Heilmittel finden würde, bevor ihre Kinder eines Tages womöglich ebenfalls daran erkrankten. Sie überliess ihrer Alzheimer-Erkrankung zwar souverän den finalen Sieg, nicht jedoch die Deutungshoheit. Und sie sagte einen Satz, der wie ein Fallbeil auf mich niedersauste: «Ich möchte nicht bei vollem Verstand den Verstand verlieren. Ohne mich kann ich nicht leben.»

Lieber wolle sie zu früh gehen als zu spät. Auf jeden Fall, bevor sich Wirklichkeit und Unwirklichkeit endgültig vermischten.

Schon als junge Krankenschwester war sie Mitglied bei «Exit» geworden; die Endlichkeit des Lebens habe sie nie erschreckt. Später, als sie die Panik überfiel, an einer frühen Demenz zu leiden, wandte sie sich mit ihrer Befürchtung an Spezialisten. Sagte ihnen, zwei ihrer Tanten seien daran gestorben, deswegen trage sie wohl ein erhebliches erbliches Risiko dafür. Kein Arzt nahm sie für voll: Ihr Hausarzt lachte sie aus, schrieb sie wegen eines Burn-outs krank und überwies sie an eine Psychotherapeutin.

Seitdem sie eine Vertrauensperson bei «Exit» gefunden habe, bei der sie sich darauf verlassen könne, dass sie ihr rechtzeitig zum Ausstieg verhelfen werde – seitdem, sagte Rita Schwager, habe sie ihren inneren Frieden wiedererlangt: gar keine Angst mehr. Wie wichtig so jemand ist, das legt schon der übliche Krankheitsverlauf nahe; freiwillig aus dem Leben scheiden darf nur, wer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.

Der Anblick einer alten dementen Patientin hatte Rita Schwager als Pflegefachfrau einst sehr aufgewühlt, lange vor ihrer eigenen verheerenden Diagnose, die sie mit 53 bekam: Sie hatte an dieser Frau nichts Menschliches mehr erkannt – «ich sah einen lebendigen Körper vor mir, aber innen war alles tot». Keine Gemütsregung, nirgends. Und weil für sie Erinnerung vor allem ein Gefühl ist – und obwohl sie «auf der gefühlten Ebene noch sehr viel weiss» –, empfindet sie den Tod ihrer Erinnerung als Absterben ihrer Gefühlswelt. Mit ihr stirbt für sie der Kern ihrer Persönlichkeit.

Während Rita Schwager erzählte, registrierte ich in peinlicher Egozentrik, dass die Anzeichen ihrer Frühdemenz nicht diejenigen waren, die ich an mir beobachtete: Sie hatte ihrem Beruf Ende 2015 nicht mehr nachgehen können, als sie Kollegen, Patienten und Zimmernummern verwechselte und orientierungslos durch das Spital lief. Andauernd hatte sie den fürchterlichen Druck gespürt, keine Fehler zu machen. Von ihrer Intuition geleitet, ging sie in die Memory-Klinik, um sich testen zu lassen – von zehn Wörtern hatte sie sich gerade mal zwei gemerkt. Auch den simpelsten Alzheimertest bestand sie nicht: Sie konnte die Uhr nicht mehr lesen. Die Gewissheit war ein Schock für sie. Und eine Erleichterung.

In unserem Gespräch drückte sie sich höchst artikuliert aus. Sie beschrieb mir detailliert die Wege durch ihr altes Spital, wiederholte kein einziges Mal die gleiche Formulierung – auch wenn sie behauptete, dass ich nach spätestens zwei Stunden bemerken würde, wie ihr Zustand in die totale Erschöpfung kippte. Ich hatte angenommen, dass ihr Verhalten jenem von Greisen ähneln würde, die man früher salopp «verkalkt» genannt hatte – einfach weit vor ihrer Zeit. Dass sie zum Beispiel vergessen würde, mir die Tasse Tee bereits angeboten zu haben. Ist nicht das Kurzzeitgedächtnis jenes, das über achtzig oder neunzig selbst im Normalfall den Geist aufgibt und dadurch die Nahestehenden alarmiert? Und was ist mit dem Langzeitgedächtnis, das im Alter auffällig gut sein kann?

Die Angst, kopflos zu werden

In letzter Zeit ploppten bei mir Namen wie Korken an die Oberfläche, von Klassenkameraden, an deren Gesichter ich mich nicht im Entferntesten erinnerte. Und auch wenn ich nach wie vor Leute wiedererkannte, mit denen ich vor Jahren zufällig mal am selben Restaurantbuffet gestanden hatte: Mittlerweile wusste ich nicht mehr sofort, in welchem Zusammenhang ich ihnen begegnet war, geschweige denn ihren Namen. Dabei hatte ich mir auf mein Namens- und Gesichtsgedächtnis mal viel eingebildet, zu einer Zeit, als ich beides noch für selbstverständlich hielt.

Und weshalb überhaupt gerade diese Angst – kopflos zu werden? Seine Sinne nicht mehr beisammenzuhaben? Weshalb nicht die Angst vor ähnlich Wahrscheinlichem, etwa Magenkrebs zu bekommen?

Erst wenn der Hirntod eintritt, wird jemand für tot erklärt. Hat das Herz aufgehört zu schlagen, gilt ein Mensch noch nicht als tot. Wird der Sitz des Geistes über den Sitz der Emotion gestellt? Was macht den Menschen mehr aus: seine Gefühle oder seine Gedanken? Liegt es daran, dass die Seele – wo immer sie sitzen mag, im Herz, im Schädel – aus Erinnerungen zusammengefügt ist? Daran, dass der, der sich nicht mehr erinnern kann, nicht mehr imstande ist, den Nachweis zu erbringen, echt gelebt zu haben? Aber sehnen wir uns ein Leben lang nicht viel mehr nach innigem Fühlen als nach Denken?

Senile erinnern manchmal an kleine Kinder, sie haben wieder deren Selbstvergessenheit, und sie sind – weil sie keine Zukunft mehr besitzen und durch ihr Vergessen offenbar auch keine Vergangenheit mehr – ganz im Moment. Sie freuen sich, sie leiden, sie werden ihr Zustand, ohne sich zu fragen, wie lange ihre Freude oder ihr Leiden andauern werden. Sie sind im Erleben, beurteilen nicht mehr. Sie nehmen es jetzt, wie es kommt. Und können, was kommt, im besten Fall geniessen, ob es währt oder nicht. Wer vergisst, verliert also nicht nur – eigentlich kriegt er auch eine Chance: den Augenblick voll auszukosten.

Warum haben dann so viele wie ich die Angst, sich zu verlieren, indem sie ihr Gedächtnis verlieren? Weil wir gelernt haben, ständig zurückzublicken und alles zu bewerten  und erst zurückblickend dem Vergangenen einen Sinn verleihen? Kann, wer sein Leben nicht mehr erzählen kann, aus ihm keine Erzählung mehr machen: um die Möglichkeit beraubt, ihm eine klare, logische Form zu geben?

Nur alte Stars schreiben ihre Memoiren – sonst muss es schon jemand wie der 41-jährige Benjamin von Stuckrad-Barre sein oder die 16-jährige Pakistanerin Malala, denen man angesichts ihrer vielen Tiefpunkte abkauft, in ihrem jungen Alter bereits viele Leben gelebt zu haben. Schliesslich macht erst die Interpretation aus dem Ereignis eine Erfahrung. Und noch immer wiegt – wenn es darum geht, die Intensität einer Existenz abzumessen – das Leiden stärker als das Glück. Allein der Künstlermythos nährt sich daraus, dass ein ernsthafter Künstler bloss der ist, dessen Dasein über seine Ränder hinaus vom Leiden versengt ist.

Glück hat nach allgemeiner Ansicht eher etwas Dummes an sich, schon durch seine Flüchtigkeit – dumm im Sinne von tumb, dumpf, taub, ja, fast von unfühlbar. Denn das Glück offenbart sich bekanntlich nicht selten erst in der Retrospektive – wie die Schriftstellerin Colette einmal sagte, wohl als sie ihre Erinnerungen nach deren Bedeutung sortierte: «Ich hatte ein wunderbares Leben. Schade, dass ich es so spät gemerkt habe.»

Gleichzeitig dürfte man sich doch eigentlich halsstarrig darauf verlassen, dass die Rückschau das Erlebte schönt – die meisten Menschen, sagen Wissenschaftler, können sich besser an das Schöne als an das Schlechte erinnern. Oder deuten gleich das Schlechte zum Guten um, zumindest zum Erträglichen. Jedes Gehirn ein eigener Trickbetrüger – einer, den man gern gewähren lässt.

Vielleicht gründet die Angst vor Demenz darin, dass die Krankheit näher an die Wahrheit heranführt, als es die Gesundheit vermochte: weil es keine Lügen mehr gibt.

Vier-, Fünfjährige entwickeln oft plötzlich ein brennendes Interesse an ihrer Vergangenheit: wollen stundenlang Babyfotos von sich betrachten. In Erfahrung bringen, wer sie waren. Berauschen sich an der Vorstellung, dass sie, die grossen Kinder, einst dieses kleine Dicke mit dem kahlen Köpfchen waren – es belustigt sie, vor allem aber lässt es sie staunen.

Vielleicht gründet die Angst vor Demenz – davor, im Vergessen zu versinken – auch darin, dass die Krankheit einen an die Wahrheit heranführt, näher, als es die Gesundheit vermochte. Der demente Mensch erscheint nackt, aller Funktionen entkleidet. Er spielt keine Rolle mehr – im doppelten Sinne: Er spielt keine gesellschaftliche Rolle mehr, und er spielt für die Gesellschaft keine Rolle mehr. Vielleicht wird man also erst dann, wer man ist. Weil man nicht länger die Bankerin gibt, den Lehrer, nicht länger Mutter oder Sohn ist. Vielleicht ängstigt einen genau das: dass es dann keine Lügen mehr gibt so wie auch keine Heilung.

Gegen Alzheimer ist noch kein Heilmittel gefunden worden, obwohl die Forschung auf Hochtouren läuft. Die Mediziner Roger Nitsch und Christoph Hock entwickeln an der Universität Zürich eine Alzheimer-Impfung – im Abstand von Jahren heisst es, sie stünden kurz vor dem Durchbruch. Aids war eine Krankheit, die bis vor Kurzem noch einem Todesurteil gleichkam; inzwischen können HIV-Infizierte behandelt werden – und damit alt.

Mit Demenz aber könnte ich nicht leben, fürchte ich. Während ich mit vielen anderen Krankheiten wahrscheinlich leben lernen könnte. Ein Mensch mit Krebs ist ein Krebskranker, er ist nicht sein Krebs – die Krankheit Demenz dagegen wird zur Identität. Indem sie zerstört, legt sie aber auch etwas frei, das Existenzielle einer Existenz. Ein Paradoxon: Man scheint als Mensch auseinanderzubröseln, mit jeder Hirnzelle, die sich aus dem Staub macht – und wird in diesem Prozess, zumindest von aussen betrachtet,  zutiefst kreatürlich, irgendwie menschlicher.

Ewige Gegenwart

Ich fuhr von Rita Schwager in einem komisch changierenden Bewusstseinszustand weg. Ich registrierte jedes kleinste Detail meiner Umgebung, als sei mein Filter mit einem Mal ungeheuer kleinmaschig geworden – die Angaben auf der Anzeigetafel am Bahnsteig, die Aushänge am Zeitungskiosk, alles nahm ich mit einer gespannten Aufmerksamkeit wahr, als dürfe mir nichts, auch das für mich Unerhebliche nicht, entgehen. Es war anstrengend, alles wie mit einer Kamera abzufilmen. Es waren zu viele Reize, die ich bis dahin gar nicht als Reiz, nicht als Veränderung meiner Umwelt, empfunden hatte.

Mir fiel Jill Price ein, die Amerikanerin, über die ich mal gelesen hatte: An ihr war erstmals ein Phänomen namens hyperthymestisches Syndrom beobachtet worden. Ihr episodisches Gedächtnis ist absolut – seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr, exakt seit Dienstag, dem 5. Februar 1980, kann sie die Erinnerung an jeden einzelnen Tag bis auf die Minute abrufen. Sie weiss, wie das Wetter und welcher Wochentag es war, welchen Pullover sie trug und welche Katastrophen in den Nachrichten vermeldet wurden. Alles, woran sie sich erinnert, muss aber von ihr direkt wahrgenommen worden sein. Dagegen hat sie wie wir anderen vergessen, wovon sie ohne jegliche Emotion – und sei es auch mit einem gewissen Interesse an einer Information – erfahren hat. Historische Daten kann sie sich genauso wenig merken   wie die meisten.

Als Fluch wie Segen beschrieb sie die Besonderheit ihres Gedächtnisses in einem Interview: weil die Erinnerungen mit derselben Wucht auf sie einstürzten wie in jenem ersten Moment des Erlebens. Ihre Vergangenheit wird ihr dadurch immer aufs Neue lebendig. Es gibt keinen Abstand zwischen ihrer Empfindung und ihrer Ratio; jede Kränkung bleibt eine offene Wunde, die nie verheilt. Sie ist nicht in der Lage, «Negativerlebnisse zu verarbeiten», weil die Zeit nicht für sie spielt. Denn für sie gibt es nur eine Zeit: die ewige Gegenwart.

Als segensreich empfand sie es, ihre Erinnerungen wieder und wieder abrufen zu können, sie sich bewusst auf ihren inneren Bildschirm zu holen: Wenn sie zum Beispiel beim Friseur unter der Trockenhaube sitze, erzählte sie, dann vertreibe sie sich das Warten mit gezieltem Nachempfinden. Demnach muss ihr Leben ihr wirklich gelebt vorkommen, bis ins Letzte fühlbar. Schliesslich kann sie Situationen Sekunde für Sekunde durchleben, nicht bloss doppelt, sondern wie in einer Endlosschleife.

Ist ihre Kraft dadurch aufgebraucht, oder bringt sie noch welche dafür auf, sich ihre Zukunft vorzustellen, obwohl doch schon Vergangenheit und Gegenwart eins für sie sind? Und hat sie in sich Platz für Geschichten ausserhalb ihrer selbst?

Das Grossartige an guter Literatur, an allen Nacherzählungen fremder Leben, ist es ja, zu erfahren, wie das eigene Leben auch hätte verlaufen können. Wie es sich anfühlt, sich in einem andersartigen Leben wiederzufinden, dessen Pfade abzulaufen, mit allen Gemütswandlungen, die das mit sich bringt. Aber kann jemand wie Jill Price dafür Kapazitäten haben: sich in die Wirklichkeit eines anderen Menschen begeben, wo doch ihre eigene Wirklichkeit niemals unwirklich wird, nicht das kleinste bisschen verblasst? Das heute so überstrapazierte Mantra, im Hier und Jetzt leben zu sollen, anstatt an das Morgen oder Gestern zu denken – das ist für die Amerikanerin zu einer bösen Ironie des Schicksals verkommen, weil sie sich nie, keinen Augenblick lang, vom Augenblick zu entfernen vermag.

Wie froh könnte ich daher sein, dass ich mich, anders als Price, an jeden Schmerz bloss abstrakt erinnern kann, sobald er einmal vergangen ist. Dass ich zwar weiss, dass mir zum Beispiel meine Kopfschmerzen vor ein paar Tagen unerträglich vorkamen, aber ich sie heute nur noch als vagen Sachverhalt formulieren kann, weil die Emotion dahin ist. Physischer Schmerz hinterlässt im Gedächtnis keine sichtbare Kerbe, selbst wenn er Narben an anderen Teilen des Körpers hinterlässt – während seelische Pein durchaus lebendig bleiben kann: Man wird zum zweiten Mal rot vor Scham, denkt man an eine frühere Blamage. Evolutionsbedingt erklärt man das unter anderem damit, dass keine Mutter ein zweites Kind bekommen wollte, könnte sie sich an den Geburtsschmerz erinnern.

Halbe Wahrheiten

Aber was hat es dann mit Phantomschmerz auf sich? Was bedeutet es, wenn man nicht aufhört, etwas Verlorenes zu spüren, wie lange der Verlust auch zurückliegt? Wenn einen der Schmerz täglich aufs Neue daran erinnert, was man verloren hat?

Ich traf mich mit dem renommierten Gedächtnisforscher Douwe Draaisma, Professor für Psychologiegeschichte an der Universität Groningen. Vielleicht würde er mir ein paar tröstliche Antworten auf meine vielen Fragen geben.

Es sei nichts falsch am Vergessen, sagte er mir sogleich, dadurch würden den Dingen die scharfen Kanten genommen. Ebenso wichtig sei es, sich vor Augen zu führen, dass es sich beim Erinnern sowieso immer nur um halbe Wahrheiten handle: bloss um Versionen unserer Vergangenheit. Erinnerungen würden nämlich ständig um- und überschrieben von späteren Ereignissen, erklärte Draaisma – und warum auch nicht? «Das Gedächtnis soll dein Zuhause sein, in dem du dich wohlfühlst, es ist kein Gerichtssaal, wo es um die Wahrheit geht.»

Es gibt das russische Sprichwort «Er lügt wie ein Augenzeuge», und in der Tat wissen wir alle, wie trügerisch die Erinnerung sein kann. Draaisma belegt die Eigenart unseres Gedächtnisses, unzuverlässig zu sein, an Kriminalfällen: Befragt man einen Nachbarn oder Freund zu einem Täter – und weiss dieser um dessen Verbrechen –, dann flackern bei ihm Erinnerungen auf, die ihm sonst nie eingefallen wären. Weil er einen Vorfall mit dem heutigen Wissen anders einordnet. Das nachträgliche Umdeuten kann aber auch banaler ablaufen: Eine ziemlich glückliche Ehe, die mit einem Rosenkrieg endet, wird in den Hirnen der Geschiedenen als schrecklich abgelegt.

Deswegen, sagte Draaisma, verändern sich unsere Vergangenheit und unsere Perspektive auf sie auch damit, wer wir geworden sind. Unsere Identität selektiere die Erinnerung. Dabei tritt der «Reminiszenz-Effekt» ein: Im Alter erinnern wir uns besser an unsere ersten zwanzig Lebensjahre, obschon sie weiter zurückliegen, als an das, was im Vorjahr passiert ist. Unser Gedächtnis habe um zwanzig seinen neurologischen Höhepunkt, in dem Alter, in welchem unsere Biologie das Kinderkriegen vorsieht. Auch dass die früheste Erinnerung der meisten ungefähr aus dem vierten Lebensjahr stamme, hänge mit unserer biologischen Entwicklung zusammen: Mit vier besitzt man ein Ich-Bewusstsein – und eine Sprache, um sich auszudrücken.

Das Gehirn fühlt keinen Schmerz

Neulich wurde mir beides – Ich-Bewusstsein und Sprache – in unvorstellbarer Weise präsent, als ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen konnte. Ich durfte am Berner Inselspital bei einer Wach-OP am offenen Gehirn zuschauen. Einem Mann wurde ein Gehirntumor entfernt. Weil dieser ans Sprachzentrum grenzte, musste der Patient während der Operation unaufhörlich mit einer Logopädin im Gespräch bleiben – geriete er ins Stocken, wäre dies das Signal an den Chirurgen, dass er sich heiklen Arealen näherte.Ich besah mir mit Ehrfurcht diesen gewaltigen Klumpen mit den Furchen eines Wattenmeers, der keinen Schmerz empfindet und deshalb nicht narkotisiert zu werden braucht. Und erfuhr, dass sich Tumorgewebe vom gesunden Gehirngewebe mit blossem Auge nicht unterscheiden lässt: Wo der Chirurg entlangzuschneiden hat, um den Tumor vollständig zu entfernen, muss ihm der Patient im buchstäblichen Sinne sagen.

Nach einer Weile wurde das Sprechen von heftigem Schluchzen unterbrochen, sodass der Chirurg innehalten musste, weil auch das Gehirn zu beben anfing. Eine Assistenzärztin erklärte mir, dass Patienten während einer Wach-OP häufig zu weinen beginnen – sie sagte, das Erlebnis überwältige sie, deswegen solle eine längere Vorbereitung verhüten, dass ein Trauma daraus werde.

Mich wunderte das kein bisschen; selbst mir als Zuschauerin ging es durch Mark und Bein. Nie zuvor war ich in einer Situation gewesen, in der so viele Gegensätze aufeinanderstiessen und sich – wenn, dann war das für mich ein Wunder! – ineinander aufzulösen schienen. Es kam mir so archaisch vor: in den aufgesägten Schädel eines Wildfremden zu schauen. Zugleich hatte die Grundmelodie, die den hochmodernen OP-Saal durchzog, eine feinnervige Eleganz: wie anmutig die einzelnen Handlungen ineinandergriffen! Und dann stand ein Vertrauen im Raum, das mir derart gross und grossartig vorkam, dass es fast an Liebe heranzureichen schien. Wie viel Vertrauen musste dieser Mann dem Arzt schenken, der in diesem Moment in sein Gehirn schnitt? Kann die Lage je essenzieller, je radikaler sein?

Seltsam war auch der Kontrast zwischen der Emsigkeit des medizinischen Personals und der kaum steigerbaren stillen Konzentriertheit, die jeder Einzelne von ihnen ausstrahlte. Wie der Widerspruch, dass der Patient als Mensch unter einer wuchtigen Wärmedecke und grünen Tüchern verschwand, aber ein halbes Dutzend Leute in das hineinblickte, was ihn als Menschen vermutlich ausmacht: in seine Schaltzentrale. Und genau die überantwortete er seinem Arzt und dessen Team. Es ging um Leben und Tod – und doch wurde diese Tatsache, wie sonst auch, von der handfesten, praktischen Realität verdrängt.

Seitdem ist, ohne dass ich es richtig erklären könnte, meine Angst, an Alzheimer zu erkranken, kleiner geworden. Vielleicht weil mir erstmals ganz konkret vor Augen getreten ist, dass das Leben unkontrollierbar ist – und der Mensch mehr als sein Gehirn. Sogar wenn er von allen guten Geistern verlassen werden sollte.

Absichtliches Vergessen

Zwar ertappe ich mich nach wie vor dabei, dass ich langsamer als früher oder gleich komplett falsch schalte. Dass ich nach Wörtern kramen muss und es immer länger dauert, bis sie mir in den Sinn kommen. Trotzdem habe ich beschlossen, nun lange genug darüber gehirnt zu haben. Ich nehme mir darin Rita Schwagers Kinder zum Vorbild, die bisher auf medizinische Abklärungen verzichten, ob sie die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter geerbt haben. Weil man – noch – nichts gegen die Krankheit unternehmen kann, vorbeugend genauso wenig wie im Fall ihres Ausbruchs. Aber auch, weil sie, wie Rita Schwager mir sagte, «in einem Alter sind, wo sie es gut verdrängen können».

Nun versuche auch ich, meine Angst vor Alzheimer zu verdrängen. Verdrängen, Vergessen nach Vorsatz – weil man dagegen ohnehin nicht angehen kann. Gegen dieses Schicksal nicht, gegen kein Schicksal, falls es das denn gibt: Schicksal. Und weil man weder sich noch anderen die Erinnerung diktieren kann.

Vielleicht folgt aber aus dieser Erkenntnis, sich mit dem Unausweichlichen abzufinden, trotzdem nicht unbedingt Ohnmacht? Vielleicht hat man es ja wenigstens in der Hand, bewusst seine Blickrichtung zu lenken? So als sässe man im Zug. Statt sich in Fahrtrichtung zu setzen, könnte man sich doch ebenso gut mit dem Rücken in Fahrtrichtung positionieren. Dann würde man sich an der Gegenwart entlangbewegen und das Vorbeihuschende gleichzeitig im Blick behalten – während man auf das Neue zusteuert: quasi rückwärts vorwärts. Der Versuch scheint mir jedenfalls lohnenswerter zu sein, als die nächsten Jahre in Angststarre zu verharren.