Leserbriefe


Alles so schön real hier

Von Gabriela Herpell

Das Magazin N°40 – 5. Oktober 2019

Schwulentheater in Mossul – Da ich früher selber für eine karitative Organisation in vom Krieg versehrten Gebieten gearbeitet habe, kann ich noch ein bisschen unmittelbarer beurteilen, welche Bedürfnisse die Leute dort haben; natürlich elementare – Essen, Trinkwasser, Schutz vor Kälte und Regen. Und falls es ein bisschen Kultur sein darf, zuerst einmal Papier und Schreibzeug oder gar ein Telefon. Man könnte mehrere Nummern des «Magazins» füllen, um die Probleme zu beschreiben, die zur Befriedigung solcher Bedürfnisse gelöst werden müssen.

Aber dazu hätten die Wichtigtuer unserer Kulturschickeria nichts zu bieten. Da sie jedoch mit brennendem Ehrgeiz immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen wollen, schrecken sie vor keinem Zynismus zurück. Schon für uns Europäer ist die „Orestie“ von Aischylos sehr periphere Kultur, Arabern sagt sie gar nichts. Dafür hat man dort noch einen strengeren Codex für Gastfreundschaft, der auch Pflichten umfasst, über die sich die Vertreter unserer Kulturschickeria jedoch höhnisch hinwegsetzen, um ihrer Eitelkeit zu frönen. Nicht nur eine an sich schon deplatzierte „Orestie“, sondern auch noch mit einem schwulen Orest – Provokation um jeden Preis, mit der man die Empfindungen der Einheimischen verhöhnt, all dies finanziert mit Steuergeldern aus der Schweiz, was beweist, es gibt hier zu viel Geld für sogenannte «Kultur».

Werner Furrer, Basel