Leserbriefe


An die Wahlsieger

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°42 – 19. Oktober 2019

Philipp Loser stellt den grünen Wahlsiegern eine entscheidende Frage: «Und warum müssen ausgerechnet wir Schweizerinnen und Schweizer uns einschränken, wenn alle anderen nichts tun?». Folgende Antwort reicht wohl nicht: «Weil es uns gut geht und weil wir einen zu hohen footprint haben.» Denn leider können wir das ökologische Problem nicht allein lösen. Notwendig und wohl auch hinreichend dafür ist das Lösen des demografischen Problems der Menschheit. Das eigentliche Hindernis dabei sind die demografischen und ökonomischen Gräben. Dazu ein Beispiel: Laut Hochrechnung der UNO wird allein der afrikanische Staat Nigeria im Jahre 2100 (also in 80 Jahren) mehr Einwohner haben als Europa (794 gegenüber 645 Millionen, aktuelle Geburtenrate 5.5 gegenüber 1.5). Zwar sind die Zahlen  nur Hochrechnungen, und bis dahin kann sich viel ändern – doch wirksame Mechanismen, die die Gräben schliessen, sind nicht sichtbar.

Im Grund genommen gibt es ja nur eine Lösung: verantwortungsvoller Konsum UND verantwortungsvolle Elternschaft. Damit das zusammenpasst, muss ein Weltbild her, das direkt aus einer konkreten Anwendung des Kantschen Imperativs kommt: «Lebe so, dass die Menschheit gut fortbestehen kann, wenn alle so handeln wie du!»

Dies muss direkt angestrebt werden, denn die zwei Komponenten der genannten Lösung passen nur schwer zusammen. Dies macht auch die folgende Überlegung sichtbar: Angenommen, es gäbe weltweit eine Arbeitslosigkeit von weit über 50 Prozent, etwa wegen des für die grüne Wende nötigen Konsumverzichts. Eine solche Situation ist durchaus vorstellbar, nicht nur in denjenigen Ländern, deren Einnahmen grossteils auf fossiler Energie oder Flugtourismus beruhen. Eine solche Situation liesse sich so weit beherrschen, dass alle Menschen dennoch mit ausreichenden Lebensgrundlagen versorgt würden, und hätte gleichzeitig die positive Wirkung, dass der durchschnittliche footprint auf ein nachhaltiges Mass gedrückt würde. Gleichzeitig besteht aber dadurch die Gefahr, dass als Ersatz für die fehlenden beruflichen Erfolgsmöglichkeiten (wie bisher in vielen Ländern) die Perspektiven in einer zu hoher Geburtenrate gesucht werden. Dies zu verhindern, reichen die aktuellen Weltbilder nicht aus.

Eine nötige Massnahme ist, den Widerspruch zwischen dem Menschenrecht auf Eigentum und den Menschenrechten auf Lebensgrundlagen zu lösen. Hilfreich ist dabei folgende Darstellung: Das demografische Problem ist eine Variante der «Tragödie der Allmend». Die Lösung dafür ist bekanntlich das geeignete Anwenden des «Rechts auf Eigentum». Das darf nichts daran ändern, dass Eigentum verpflichtet, einerseits zu Transferleistungen. Insbesondere da der ökonomische Graben auch durch den technischen Fortschritts verursacht wird (Kumulation vom Vermögen, Vernichten von Arbeitsplätzen). Andererseits müssen aber auch Massnahmen unterstützt werden, die die nötige Eigenverantwortung einfordern.

PS: Zahlen zu Nigeria und Europa aus Wikipedia: Liste von Staaten und Territorien nach Bevölkerungsentwicklung. Die Daten stammen von der Abteilung Bevölkerung der UN. Die Fertilitätsrate stammen von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger,  4143 Dornach SO