Leserbriefe


Das letzte Pfand der Frauen

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°4 – 27. Januar 2018

Problematisch: Privilegien als Pfand

Philipp Loser schreibt vom niedrigeren Rentenalter der Frauen als deren letztem, rechtmässigem Pfand. Das ist in mancher Hinsicht problematisch, in anderer schlicht falsch. Den Abbau von Ungerechtigkeit zu verhindern, indem man auf andere Ungerechtigkeiten hinweist, ist vielleicht politisch nachvollziehbar, dieser Whataboutismus hat aber nichts mit Gerechtigkeit zu tun. Insbesondere, wenn jeweils die Verursacher und Betroffenen alles andere als deckungsgleich sind. Deshalb ist es sehr problematisch, von Privaten verursachte Lohnungleichheit und den systematischen Staatssexismus ungleicher Rentenalter gegeneinander auszuspielen und letztlich zum Erhalt des mehrfach ungerechten Status quo beizutragen. Bei der AHV-Reform wurde eine Chance verpasst, Ungerechtigkeit abzubauen, und den Gegnern der eigenen Anliegen wurden prächtige Argumente geliefert, Gratulation!

Aber selbst wenn man solche Manöver als politische Realität akzeptiert, ist die Behauptung falsch, das niedrigere Rentenalter sei das letzte Privileg-Pfand der Frauen. Es erstaunt immer wieder, wie die sexistische (Militär-)Dienstpflicht derart institutionalisiert ist, dass sie gar nicht hinterfragt oder überhaupt als grobe Ungerechtigkeit wahrgenommen wird, die den Gleichheitsartikel in der Bundesverfassung einige Artikel später ad absurdum führt. Ganz nach dem Motto: „Ist so, weil ist so.“

David Canela, Therwil