Leserbriefe


„Das Magazin“ N° 4_2020

Von Das Magazin

Aktualisiert am 4. Juni 2020, 16:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Canonica

Die Ausgabe No. 4 ist recht interessant. Ich finde es gut, dass es betr. den drei Kolumnisten resp. Kolumnistinnen zu einer Änderung kommt. Herr Tanner verbreitet jeweils seine marxistischen Ideen, Frau Kunz ihren Frust und Herr Peter ist ganz interessant und wechselt das Thema. Mir fehlen Leute aus der Naturwissenschaft. (Ich selber bin Ökonom.)

Eine grössere Abwechslung wäre super.

Das Gespräch mit Mathias Plüss ist grundsätzlich interessant, vorab mit seiner Idee der „Kultur“. Leider auch hier: Einen Weg in eine lebenswerte Zukunft kann er auch nicht aufzeigen. Ja, wer kann das, einverstanden.

Einmal mehr wird die Wachstumsidee mit dem sog. kapitalistischen System in Verbindung gebracht. Das Wort „kapitalistisch“ wurde von seiner sachlichen Seite in eine ideologische verkehrt. Es geht bei korrekter Anwendung dieses Begriffes schlicht darum, dass unser Wohlstand neben dem Ersatz der Muskelkraft durch Fremdenerige auf der Umwegproduktion unter Einsatz von Kapital durch Kreditfinanzierung dank Teilverzicht auf sofortigen Konsum basiert. In diesem Sinne sind alle Volkswirtschaften der Gegenwart „kapitalistisch“. Der sog. Wachstumszwang wird vorab betriebswirtschaftlich begründet, ist aber auch durch das Bevölkerungswachstum bedingt. Es ist auch im Text von Plüss merkwürdig, dass er die Bevölkerungsproblematik mit keinem Wort anspricht. Hier liegt der tiefere Grund, warum wir weltweit nicht einfach auf einen notwendigen Ressourcenverzicht (vereinfacht) gelangen können oder werden. Ohne drastische Massnahmen zur Bevölkerungseindämmung wird der Ressourcenverzehr und auch die Energienachfrage nicht eingedämmt. Das entsprechende Massnahmen (z. B. Zweikindpolitik) in Demokratien nicht durchsetzbar sind, ist mir klar, zeigt aber die Ohnmacht, in welcher wir leben.

Die Wirtschaftswissenschaften hätten keine Ideen. Ich habe mein Wirtschaftsstudium 1966 begonnen, und schon damals befassten sich Ökonomen mit den Grenzen des Wachstums, und es gab bereits vorwiegend ideologisch bedingte Diskussionen, ob es einen Zwang zum Wachstum gibt. Mein Doktorvater, Prof. Dr. H. Chr. Binswanger war bereits damals bekannt für sein Umweltbewusstsein. Mir ist klar, dass gerade die Marketingleute alles daransetzen, dass der Konsum gepusht wird. Dazu kommen die heutigen Investoren. Man sieht es deutlich, dass CEO schnell abgelöst werden, wenn ihre Firmen kein Wachstum haben. An der Wachstumsideologie sind eigentlich alle Bevölkerungsschichten beteiligt, auch die Mehrzahl der Linken. Ansonsten würden sie sich für eine Begrenzung der Einwanderung starkmachen und bei der Entwicklungshilfe andere Akzente setzen.

Damit im „Magazin“ einmal ein hervorragender Wissenschaftler und bewährter Manager betr. Klima zu Wort kommt, schlage ich vor, dass Sie ein Gespräch mit dem Autor Markus O. Häring führen. Ich lernte ihn kurz an einem Anlass kennen, wo er sein Buch „Sündenbock CO2, Plädoyer für ein lebenswichtiges Gas“ (Arnot-Cournot Verlag)  vorgestellt hat. Als Förderer der Solarenergie im Sinne praktischer Umsetzungen habe ich in diesem Buch sehr viel gelernt  Dinge, auf welche ich zuvor als Nichtnaturwissenschaftler  nie gekommen wäre.

Härrng geht von Fakten aus, so von den messbaren Veränderungen der globalen Temperatur, versteht es dann aber aufzuzeigen, wie in einer zyklischen und vernetzten Betrachtungsweise  Massnahmen möglich, wirksam oder schädlich  sind, um unserem Planeten mehr Sorge zu tragen.

Mit Utopien wie „klimaneutral bis …“ kommt man nicht weiter. Da kommt dann wieder der Kulturbegriff ins Spiel.

Freundliche Grüsse

Dr. Max Meyer, Oberengstringen