Leserbriefe


Dialog Ben Moore – Niklaus Peter

Eine Kolumne von Ben Moore

Das Magazin N°17 – 27. April 2019

Zu den „Magazin“-Ausgaben 17 bis 20

Wenn der Astrophysiker auf den Kirchenmann trifft, könnte es spannend werden. Der aktuelle Wissensstand und die Plausibilität, beim Astrophysiker das wichtigste Mass, sprechen ja wohl für Urknall und Evolution auf der Basis von eigennützigen Genen zu immer raffinierteren Überlebensvehikeln, um nicht zu sagen Biorobotern.

Eine Ethikerin wies kürzlich auf die Einsamkeit des Menschen im Diesseits hin, die uns als Vorbereitung zur immerwährenden Einsamkeit im Universum nach dem Tod dienlich sein könne, was als atheistische Variante der Dimensionen Seele und Paradies des Kirchenmannes verstanden werden kann. Kein angenehmer Gedanke und auch wenig plausibel.

Tatsächlich hat sich aber der Mensch, seit er diesen Namen verdient, Götter geschaffen. Als ketzerischen Akt eines Überlebensvehikels, dem seine Existenz Rätsel aufgibt, weil er dank seiner ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten nicht mehr einfach das stumpfe Leben einer programmierte Maschine führen muss. Je mehr allerdings der Mensch verstanden hat, wie sein Planet, und ansatzweise auch, wie das Universum effektiv funktioniert und woher er selber kommt, umso mehr musste sich auch sein Gottesbild verändern.

Angesichts der Unmöglichkeit, genau zu verstehen, wie und zu welchem Zweck es von Urknall zu Urknall weiter und weiter gehen soll, indem z.B. nach einer grenzwertigen Ausdehnung des  Universums eine ungeheure Implosion erfolgt, macht es vielleicht mehr Sinn, ketzerisch an einer guten Idee festzuhalten, um sich die Kopfschmerzen zu ersparen.

Die gute Idee, das Göttliche wäre dann der Humanismus und die daraus folgenden Menschenrechte, der beseelte Mensch. Die Seele stirbt zwar mit ihm, was eher tröstlich ist, aber die verpflichtende Idee bleibt. Die Liebe unter zwei Menschen macht uns unendlich glücklich oder traurig, unsere schönsten Kulturgüter in der bildenden Kunst, Lyrik, Musik und Gesang bis zum heutigen Tag sind ihr gewidmet. Wir müssen uns kraft unseres Intellekts nicht einmal scheinbar natürlichen Vorgaben dazu unterwerfen. Was es immer braucht, ist der Respekt der absoluten Integrität des andern Menschen. Diese Verpflichtung ist damit nicht mehr metaphysisch und in keiner Weise freikaufbar. Mit Evolution hat das zwar nicht mehr viel zu tun, aber Himmel oder Hölle sind auf Erden. Oh Gott, Du geheiligtes Sinnbild für unsere höchsten Ideale, steh uns bei!

Reto Zanoni, 3005 Bern