Leserbriefe


Dialog Ben Moore – Niklaus Peter

Eine Kolumne von Ben Moore

Das Magazin N°17 – 27. April 2019

Magazin Ausgaben  N° 17 bis N° 19

Sehr geehrte Redaktion des Magazins

Sehr geehrter Herr Moore

Sehr geehrter Herr Peter

 

 

Gibt es Entwicklung ohne Freiheit und Zufall?

Ich glaube nicht.

Gibt es Freiheit und Zufall ohne Ungerechtigkeit?

Ich glaube nicht.

Gibt es menschliche Freiheit ohne menschliche Verantwortung?

Ich glaube nicht.

Haben Menschen jederzeit und überall die Freiheit, Wahrheit(en) zu suchen und Liebe in all ihren Erscheinungsformen zu probieren?

Ich glaube ja.

Sind Liebe und Wahrheit vielleicht die grössten und tiefsten Sehnsüchte von uns Menschen?

Ich glaube ja.

Ist es deshalb kein reiner Zufall, wenn Gott u.a. mit diesen zwei Begriffen definiert wird?

Glauben Wissenschaftler an den Sinn von Wahrheit?

Ich glaube ja.

Können sie also in diesem Sinne als Gottsucher, als Wahrheitsgläubige bezeichnet werden?

Ich glaube ja.

Glauben Wissenschaftler an den Sinn von Sinn?

Ich glaube ja.

Ist es üblich, weil sinnvoll, dass Wissenschaftler nur mit Begriffen ‚hantieren‘ (sollten), die vorher durch sie oder durch andere lupenrein und wasserdicht definiert worden sind?

Ich glaube ja.

Sind diese Definitionen manchmal sehr schwierig oder sogar unmöglich zu finden?

Ich glaube ja.

Gibt es Leben, wie wir es kennen, ohne Sterben, ohne Tod?

Ich glaube nicht.

Gibt es Gesundheit ohne Schmerz?

Ich glaube nicht.

Körperliche und seelische Schmerzen haben den Nachteil, dass sie wehtun,

aber sie geben uns unerlässliche Alarmsignale, dass wir etwas verändern sollten,

um unsere Gesundheit zu erhalten. Ich glaube: wenn Schmerzen nicht wehtun würden,

würden wir sie nicht oder nicht so schnell ernst nehmen.

Ist es normal, dass wir das Alarmsystem manchmal zum Teufel schicken möchten?

Ich glaube ja.

Gibt es Dinge, die wir für gut halten, ohne andere Dinge, die wir für schlecht halten?

Ich glaube nicht.

Existiert irgendetwas Wahrnehmbares, ohne dass wir uns vielleicht auch nur ganz vage vorstellen,

es sei durch irgendeine Kraft erschaffen worden?

Ich glaube nicht.

Ist es normal, dass Menschen für alles mehr oder weniger Wahrnehm- oder Erahnbare,

also auch für die ‚Gesamtheit’ Worte suchen, d.h. auch für diese ‚Erschaffenskraft‘?

Ich glaube ja.

Ist es reiner Zufall, dass in gewissen Religionen aus Ehrfurcht vor dieser unbeschreiblichen Kraft,

ihr Name nicht ausgesprochen wird?

Ich glaube nicht.

Kann ein Molekül ‚an und für sich‘ denken und fühlen?

Ich glaube nicht.

Werden es Menschen jemals schaffen, aus ‚totem Grundmaterial‘ etwas zusammenzubasteln, das denken und fühlen kann?

Ich glaube nicht.

Nehmen Lebewesen Moleküle zur Hilfe, um denken, fühlen und handeln zu können?

Ich glaube ja.

Ist Perfektion immer der Endpunkt (also der ‚Tod‘) einer Entwicklung, weil es sinnlos wäre, aus etwas Perfektem etwas Unperfektes zu machen?

Ich glaube ja.

Ist der Sinn von Evolution also nicht Perfektion, sondern Entwicklung?

Ich glaube ja.

Geht es also mehr um den sich ‚bewegenden‘ Weg als um das ’fixe‘ Ziel?

Ich glaube ja.

Passiert Evolution (oder zeitlupig fortdauernde Schöpfung) immer im komplexen Zusammenspiel und nie als ‚reines Solo‘?

Ich glaube ja.

Verändert das Wissen von der ersten Billiardstelsekunde nach dem (lautlosen) Urknall unsere Lebensqualität um mehr als 23 %?

Ich weiss es nicht.

Ist das Wachstum eines Samens zu einem Mammutbaum ein Wunder?

Ich glaube ja.

Ist alles ein mehr oder weniger normales, weil meistens alltägliches Wunder?

Ich glaube ja.

Kann die Biologie nur mehr oder weniger genau beschreiben, wie, d.h. nach welchen Regeln dieses Wunder vonstattengeht?

Ich glaube ja.

Wird sie auch in drei Millionen Jahren noch nicht beschreiben können, warum all diese Wunder geschehen?

Ich vermute ja.

Ist die Ermöglichung von Entwicklung Grund genug, etwas zu erschaffen?

Ich glaube ja.

Ist es sinnvoll, dass wir alle nicht wissen, was nach dem Tod genau passiert?

Ich glaube ja.

Sport, also zum Beispiel Fussball, ist eine weltweit sehr beliebte, also nicht vom Aussterben bedrohte Religion. Religionen haben die Aufgabe, Lebenshilfen zu bieten (deshalb wurden sie ja erfunden und pflanzen sich fort). Fussball ist ein spielerisches Ritual, in dem zentrale Lebensthemen praktisch verkörpert und geübt werden, z.B. der faire, respektvolle Umgang (als eine Form von Liebe) mit der natürlichen Tatsache, dass Menschen verschiedenste körperliche, geistige und seelische Fähigkeiten haben; Fähigkeiten, die aus einer Mischung von Begabung (ein ungerechtes Geschenk) und Leistungswille/Hingabe entstehen. Auch dass wir Menschen nur in einer körperlichen, seelischen und geistigen Gemeinschaft überhaupt überlebensfähig sind, wird eindrücklich illustriert.

Fussball ist aber u.a. nur so beliebt, weil es klare und nachvollziehbare Regeln gibt (z.B. eine sinnvolle Form und Grösse des Spielfelds).

Ein öffentliches und sportliches Duell zwischen zwei Kolumnisten mit verschiedenen Ansichten könnte sehr unterhaltsam und lehrreich sein. So wie Herr Moore das Duell jedoch initiiert und die Regeln solistisch, unklar und willkürlich festgelegt hat, ist es auch ein wenig ärgerlich, weil unfair (soweit ich das beurteilen kann). Seine Fragen und vor allem die Art, wie er sie gestellt hat, sind typisch für jeden interessierten Sonntagsschüler. Ich wünsche auf jeden Fall jedem Sonntagsschüler, dass er solche Fragen seinem Religionslehrer stellt.

Wenn er dann aber indirekt damit kokettiert, dass er als Wissenschaftler beweisen könnte, dass es Gott nicht gibt, ohne dass er den Begriff Gott wenigstens ein bisschen definiert, finde ich das nur noch peinlich. Interessant, fair und konstruktiv wäre vielleicht gewesen, wenn er dargelegt hätte, wie er sich einen Beweis der Nicht-Existenz Gottes vorstellt.

Mein konstruktiver Vorschlag an die Redaktion: Sorgen Sie für sinnvolle Regeln eines fairen Duells (vielleicht übersichtlich in einem einzigen Magazin, dafür auf mehreren Seiten)

mit freundlichen Grüssen

Lukas Rohner, 4056 Basel

 

Und hier noch ein kleines Gedicht aus meiner Schreibstube:

gedichtsurteil

das gedicht befand

der dichter sei

nicht ganz dicht

werde aber immerhin

dichter und dichter