Leserbriefe


Dialog Ben Moore – Niklaus Peter

Eine Kolumne von Ben Moore

Das Magazin N°19 – 11. Mai 2019

Magazin Ausgaben N° 17 bis N° 19

 

guten tag herr moore

 

Mein Vater glaubte, das Leben und das Universum seien zu schön und zu komplex, um reiner Zufall zu sein. . .

 

der zufall ist einer menschlichen person vergleichbar, die etwas schafft

Als Kosmologe hatte ich mich besonders auf Ihre Gedanken dazu gefreut, wie Gott entstanden ist.

gott ist sich selbst ursprung und ursprung von allem

. . .wie das Universum entstand. . .

das universum ist sich selbst ursprung und ursprung von allem

Unser Bewusstsein hat sich entwickelt, um unsere Wahrnehmung zu verstehen und unser Überleben zu sichern, nicht um Fragen über das Wesen von allem zu stellen.

die einsicht in das wesen gehört aber auch zum leben und überleben. hätten wir sie, hätten wir den klimawandel nicht.

ein Schöpfer

metaphorische sprache: wir übertragen (griech. metaphérein) uns bekanntes auf uns unbekanntes, respektive dieses unbekannte projiziert uns bekanntes auf sich selbst und macht sich uns so bekannt. die katholische theologie sagt seit 1215, es bestehe inmitten noch so grosser ähnlichkeit eine immer noch grössere unähnlichkeit (in diesem fall zwischen „schöpfer“ und dem unbekannten). sie ist, wenn ich recht sehe, dabei von der mystik beeinflusst, in der das unbekannte unbekannt bleibt. in der protestantische theologie hat eberhard jüngel die formel umgekehrt: inmitten noch so grosser unähnlichkeit eine immer noch grössere ähnlichkeit. sagbarkeit. das unbekannte wird bekannt, macht sich bekannt. es offenbart sich wann, wo und wie es will. also nicht notwendig als schöpfer.

 

dass es mehr gibt, als wir wahrnehmen können, und dass nach unserem Tod mehr als Asche von uns bleibt

 

die reine vernunft (immanuel kant) sagt nicht, es gebe nichts, was ausserhalb ihres wahrnehmungsbereichdes liegt. das leben nach dem tod ist das elementare beispiel für eine offenbarungswahrheit. die einsicht oder, wie Sie vielleicht lieber sagen, ansicht, dass offenbarung möglich ist, ist nur aufgrund von offenbarung möglich. man sagt oft „glaubenswahrheit“ oder „glaubensaussage“. grundlegender: offenbarungswahrheit, offenbarungsaussage. offenbarung hat einen spinnfaktor, insbesondere wenn es um aussagen  über die zukünftige vollkommenheit geht. sie sind so viel und so wenig gesponnen wie das netz der spinne. aufgehende sonne. tautropfen leuchten darauf im prisma. wir werden die verstorbenen wieder sehen. sie werden vollkommen erleuchtet sein. das ist ehrlich und fair. oft fühlen wir uns durch den tod einer person entlastet. „ich möchte dich dann wiedersehen, wenn du vollkommen erleuchtet bist.“ diese verheissung ist zugleich eine therapie: wir stehen weniger im konflikt mit der vergangenheit. das nennt man einen erfahrungsbeweis.

 

religiöse Texte verkünden nicht nur eine Botschaft der Liebe

 

kanon im kanon: im kanon der heiligen schriften textstellen die als transparenter für die wahrheit angesehen werden, von denen her die andern interpretiert und kritisiert werden. die offenbarungsgestützte vernunft kann den tod des todes nicht beweisen, führt aber aufgrund dieses axioms beweise.

 

Im Laufe der Geschichte hat die organisierte Religion einige der gewalttätigsten und abscheulichsten Erscheinungsformen menschlichen Verhaltens hervorgebracht.

 

wie die wissenschaft wurden auch religionen dafür missbraucht

 

Menschlichkeit und Nächstenliebe lassen sich für mich auch ohne Religion wahrhaftig leben

 

weder ohne noch nur mit

 

die bewegung der offenbarung geht ganz nach unten, damit wir, wenn wir selbst ganz unten sind, nicht mit gewalt reagieren – „all you need is love“ (john lennon) – alles, was du brauchst ist alles – die integration aller inhalte in die alles verändernde vereinigung von allem mit allem

 

„alles in allem“ (1kor 15.28): die alles verändernde vereinigung von allem mit allem offenbart sich der möglichkeit nach als alles, was in ihr, was sie ist. als universum, als gott, als wahrheit, als liebe, als gerechtigkeit, als leben, als zufall, als ursprung, als urknall, als urwort (das t ist ja ein knall und der urknall bei genauerem hinhören vielleicht ein wort), als brahman, als a, als o, als tao, gespiegelt durch dogma und koan. . .

 

mit freundlichem dank nicht zuletzt für Ihren ersten diesbezüglichen beitrag

https://www.dasmagazin.ch/2018/06/15/die-bibel-v2-1/

 

michael vogt

 

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