Leserbriefe


Dictionarium Ultra Maximum

Von Sven Behrisch

Das Magazin N°43 – 26. Oktober 2019

Sehr geehrte Redaktion

Als interessiertem und einigermassen bewandertem Lateiner stach mir die Titelseite des heutigen „Magazins“ sofort ins Auge. Ich las „res publica – de vita fortunaque verbi“ und übersetzte für mich: „Republik  – vom Leben und Schicksal des Wortes“ und wurde nicht so recht klug daraus. Als ich dann die deutsche Übersetzung „Res publica – vom Leben und Schicksal eines Begriffs“ las, begann ich zu überlegen.

Die lateinische Rückübersetzung hapert meines Erachtens in mehrfacher Hinsicht.

1. Zwar kennt das Lateinische keinen bestimmten und offiziell auch keinen unbestimmten Artikel. Aber im gegebenen Kontext geht es um die Auswahl eines bestimmten Begriffs aus einer grossen (potenziell unendlichen) Menge Begriffe: da wäre „cuiusdam verbi“ angezeigt, „eines (bestimmten) Begriffs“.

2. „verbum“ als Übersetzung für „Begriff“ erscheint mir – trotz der Neigung des Lateins zum Konkreten – als zu allgemein. Ich würde „vox“ oder „vocabulum“ vorziehen.

3. Ich finde es gewagt – aus Sicht eines Römers -, einem „Begriff“ eine „fortuna“ (Schicksal) zuzuordnen. Wäre „Entwicklung“ nicht passender, also etwa „cursus“, „motus“ oder „mutatio“?

4. Ebenso erscheint mir „vita“ in bezug auf „verbum“ problematisch. Wäre hier nicht vielmehr „ortus“ oder „origo“ angezeigt?

Kurz und gut, die von mir bevorzugte Übersetzung wäre „res publica – de origine motuque cuiusdam vocis/vocabuli“.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Wagener,  8006 Zürich