Leserbriefe


Die Schweiz der anderen

Von Tuğba Ayaz

Das Magazin N°11 – 14. März 2020

Dieser Beitrag ist der beste Beweis, dass wir in Sachen Integration in den letzten Jahren ziemlich versagt haben. Natürlich ist es nicht einfach, denn viele von diesen Anderen kommen aus einer «ganz anderen Welt». Die Leserbriefe äussern verschiedene Meinungen, bleiben aber einseitig und/oder oberflächlich. Es gilt auch hier, die Geschichte zu studieren, mit anderen Anderen zu vergleichen und vor allem die jetzige Situation nüchtern zu analysieren.

Erstens ist die Schweiz schon sehr lange ein «Einwanderungsland» und seit der Industrialisierung anfangs des 20. Jahrhunderts notwendigerweise. Der weitaus grösste Teil der Immigranten kam und kommt aus den Nachbarländern. Gleiche Religionen und Indogermanische Sprachen  sowie ähnliche gesellschaftliche Gepflogenheiten vereinfachten die Integration. Während und nach dem 2. Weltkrieg kamen erstmals vor allem Kinder aus Osteuropa. In den 60er-Jahren sahen wir die ersten Flüchtlinge aus Sri Lanka. Diese waren gut gebildet, hatten aber eine andere Religion. Bis heute haben sich die Tamilen recht gut integriert, wenn sie auch mehrheitlich unter sich feiern.

Dann kam der Balkankrieg. Die zahlreichen, zum Teil schwer psychisch geschädigten Flüchtlinge mussten sich in einer unbekannten «neuen Welt» zurechtfinden. Ausserdem stiess der Glaube des Islam auf Widerstand, weil der Schweizer Neuem meistens skeptisch entgegentritt. Das sind zwei Hauptgründe des Integrationsproblems. Diese kreierten wiederum eine abneigende Haltung von seitens der «Anderen», wie sie im Artikel genannt werden.

Mehr oder weniger zur gleichen Zeit hat sich auch die «Schweizer Schulkultur» verändert. Mehr und mehr Kinder im Primar- und Sekundarschulalter bekundeten Defizite punkto Benehmen, Manieren, soziales Verhalten etc. Diese Veränderung lief und läuft immer noch parallel zu immer mehr überforderten Eltern. Der «finanzielle Druck» auf der Familie belastet die Kinder indirekt, weil die Eltern ihren Job vor die Erziehung der Sprösslinge stellen müssen, dürfen, wollen.

Jetzt dürfen, müssen die Lehrer viel Zeit aufbringen, die verpasste Kinderstube nachzuholen, anstatt den Lehrstoff vermitteln zu können. Hier obendrauf kommen die «Anderen» mit ihren «Rucksäckli». Als ob das für die Lehrer nicht genügen würde, kommt auch noch die elektrisierte Globalisierung mit allen vor allem negativen Facetten dazu. Smartphones, die oft smarter sind als ihre Users. Der Zeitmangel, der nach Abkürzungen verlangt und die Sprache auf der Strecke lässt. Der gleiche Zeitmangel, der das gesellschaftliche Zusammenleben wie wir es kannten, schlicht verunmöglicht.

Jetzt soll mir noch einer oder eine sagen, dass sie oder er die heutigen Probleme an den Schulen, auf der Strasse und in der Familie nicht nachvollziehen können !?!

Mark Gasche ( 65 ), 3422 Kirchberg  BE