Leserbriefe


Die Schweiz der anderen

Von Tuğba Ayaz

Das Magazin N°11 – 14. März 2020

Sehr geehrte Frau Tugba Ayaz

Ihr Artikel im „Magazin“ hat mich fast erschlagen – und sehr nachdenklich gemacht.

Ich habe 40 Jahre unterrichtet und bin seit bald 9 Jahren pensioniert. Wenn ich lesen muss, was in Klassen heute abläuft, packt mich oft grosses Unbehagen und Trauer. Kinder sollten eigentlich unter dem Schutz der Lehrerschaft stehen, aber das schaffen nicht alle Kollegen.

Sie sind im Appenzellischen aufgewachsen mit viel weniger Gspänli aus anderen Kulturen.

Ich frage mich, ob die Jugendlichen heute etwas schultern müssen, was wir „Alte“ nicht können oder wirklich wollen – den Dialog zwischen allen möglichen Ideen und Vorstellungen. Darf ich Kombinationen machen, um meine Gedanken zu verbildlichen?

Tamile – Albaner / Italiener – Nigerianer / Libanese – Serbe – ich könnte weiterfahren…

Clan- und Familienstrukturen sind so unterschiedlich und Vorurteile auch…

Die Schule ist der 1.Ort, wo Kinder aus aller Welt aufeinandertreffen + die Ängste und Hoffnungen ALLER Eltern.

Es tönt platt, wenn die Schweiz nur als Lohnland wahrgenommen wird und sonst eher freudlos daherkommt. Ich habe mit vielen Eltern über Privates gesprochen und oft hören müssen, wie die Familien im Ausland sehr anspruchsvoll waren und wurden. Echt frustrierend! Und all das bekommen die Kinder mit.

Mir kommt es manchmal vor wie die Quadratur des Kreises – aber die portraitierten Jugendlichen haben mein Mitgefühl.
Ich gehöre jetzt auch zu den Alten (73 j.) und ich kenne die Besserwisserei und den „umwerfenden Charme“ alter Männer!!!!!!!!!!! Keine Werbung für den „gmögigen Alpöhi“

Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Arbeit. All das „Jugodeutsch“ zu schreiben – sehr gut gemacht!

Freundlich grüsst

Katharina DawsonWilliams, 6032 Emmen