Leserbriefe


Die Schweiz der anderen

Von Tuğba Ayaz

Das Magazin N°11 – 14. März 2020


Liebe Frau Ayaz

Vielen Dank für Ihren Artikel. Als Lehrerin unterrichtete ich in Schulen mit verschiedener sozialer Durchmischung. In Schulen mit hohem AusländerInnenanteil hatte ich den naiven Eindruck, dass „wir es doch alle sehr nett haben zusammen“ und dass es tatsächlich ein Miteinander sei. Mir wurde erst später bewusst, dass dies ein trügerischer Eindruck ist. Aufgrund verschiedener Erfahrungen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich die Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrer Herkunft in unterschiedlichen Welten bewegen. Allerdings ist dies auch schichtspezifisch, denn auch unter Schweizer und Schweizerinnen mischen sich die Schichten wenig.
Mein Sohn ist  vor allem mit Ausländern zusammen. Ich gab ihm Ihren Artikel zum Lesen, und er fand:  Genau so ist es.
Insgesamt stimmt mich Ihr Artikel nachdenklich und auch traurig. Wie kann echte Integration gelingen? Als Lehrerin versuche ich, die Schüler und Schülerinnen zu interessieren für die Welt, in der sie leben, im Hier und Jetzt, und sie auch dabei zu begleiten, dass sie Fäden knüpfen zwischen ihrer Herkunft und dem Leben hier, dass sie Verbindendes und Trennendes benennen können, und dass sie nicht denken, sie müssten sich für eine der beiden Welten entscheiden oder sie gegeneinander ausspielen.

Freundliche Grüsse
Elsa Betschon