Leserbriefe


Endlich wieder Kalter Krieg

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°6– 9. Februar 2019

Sehr geehrter Herr Loser

Ihre Kolumne «Endlich wieder Kalter Krieg» hat bei mir und meiner Partnerin zu erheblichen Zwistigkeiten geführt. Beide fanden wir Ihren Artikel gut, wir stritten uns über die letzten beiden Absätze. Ich vertrat den Standpunkt, Ihre Volte vom Atomwaffensperrvertrag hin zur Frage «den Klimawandel gibt es, den Klimawandel gibt es nicht» entbehre jeglicher Stringenz. Zudem verletze es die vielen jungen Menschen, die nun auf der Strasse ihr Recht auf eine lebenswerte Zukunft einfordern. Der Unterschied zur atomaren Aufrüstung ist doch der, dass sich bei Ersterem zwei, mittlerweile drei, ältere Männer gegenübersitzen, mit sehr viel Macht und der Möglichkeit auch, den Planeten mit einem Knopfdruck innert Minuten zu vernichten. Bei der Klimadebatte andrerseits gibt es ein krasses Ungleichgewicht zwischen wenig Macht, allenfalls in den rot-grün regierten Städten, und ganz viel Macht auf nationaler Ebene. Zudem argumentiert die eine Seite nicht nach dem Motto “meine Ideologie sagt es mir”, sondern vertritt ihre Standpunkte aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, unter anderem publiziert im jährlichen “Report on Global Warming” des IPCC. Die andere Seite bewegt sich bezüglich wissenschaftlicher Datenbasis auf dünner werdendem Eis. Auch Ihre Analyse, es gebe bei der Klimafrage zwei Blöcke, ist nicht zu Ende gedacht. Tatsächlich gibt es da viele Schattierungen, vom Hartgesottenen, der findet, sowohl die Erwärmung als auch die Verantwortung der Industrienationen seien ein Witz oder eine Erfindung der Chinesen, bis hin zu den eingangs genannten Schülerinnen und Schülern. Dazwischen gibt es die Jetzt-erst-recht-Ideologen und viele andere mehr, nicht zu vergessen die wohl grösste Gruppe jener Menschen, die die ihre Lebensgrundlagen zerstörende Hitze und Dürre zwar wahrnehmen, über die Zusammenhänge jedoch nur schlecht informiert sind. – Ein Wort noch zum vierten Beispiel «ideologisch und nicht geopolitisch verfasster» Blockbildung, zur Rolle der Medien. In der Mitte Ihrer Kolumne erwähnen Sie die Ermordung des Journalisten Khashoggi. Ihre Quintessenz, es handle sich bei der These «Medien sind die Retter der Demokratie» um eine ideologiegesteuerte Ansicht, wirkt da schon ein wenig befremdlich. Mag sein, dass seine Artikel nur ganz kleine Schritte in Richtung Demokratie bewirkt haben. Dass er und viele andere Kolleginnen und Kollegen, auch in Europa, ihr Leben dafür hingegeben haben, verdient aber zumindest eines: unseren Respekt.

Mit freundlichen Grüssen

Christoph Ackermann, Zürich