Leserbriefe


Es war einmal: Der Handschlag

Eine Kolumne von Max Küng

Das Magazin N°19 – 9. Mai 2020

Sehr geehrter Herr Küng

Mit grossem Vergnügen habe ich diese Kolumne von Ihnen gelesen.

Nur beim Wort „Kuhhandel“ aus der „BauernZeitung“ habe ich etwas gestutzt, da mein NochBauer-Grossätti jeweils von „V(i)ehhändlern“ sprach. Erstens, weil zum Vieh (das auch „z’Gficht“,  „d’Ruschtig“ oder „d’Waar“ hiess) notwendigerweise ein Muni gehörte, wenn man ihn sich leisten konnte. „Kuhhandel“ war eher negativ und meines Wissens nicht mit einem ehrlichen Handschlag konnotiert. Darum vermute ich, dass der Autor in der „BauernZeitung“ wohl eher ein „Bauer“ war.

Dass „Das Händeschütteln eine öffentliche Sache, aber auch eine persönliche Angelegenheit war“, erinnert mich an eine 70 Jahre zurückliegende, mir aber unvergessliche Begebenheit. In der seeländischen Dorfschule, die ich damals als frisch zugezogener Berneroberländer in der 1. Klasse besuchte, musste die ganze Schülerschar händeschüttelnd dem Oberlehrer in der sogenannt „grossen Pause“ die Referenz erweisen. Dieses Ritual zeigte knallhart, auf welcher Sprosse der sozialen Leiter dieser Honoratior (er war noch Gemeindepräsi und BGB-Sekretär) meine Familie und mich einstufte. Meine ehrfürchtigen MitschülerINNEn erhielten jeweils Weisungen an ihre Väter, die kommende Gemeindeversammlung ja fraktionsmässig nicht zu vergessen.

Mir wusste er, mangels Vater, nichts zu sagen, liess mich aber, bei der Hand gepackt, wie einen kleinen Tanzbären um meine Achse rotieren. Ich habe mich später „fürchterlich gerächt“, but that’s another story. Jedenfalls setzte sich mein Bildungsweg nicht in seiner Oberschule fort.

Dies ist meine Reminiszenz zum Händeschütteln als oft vergessener, bedrohlich wirkender Machtmissbrauch. Denn wer genügend drückend die Hand gibt, braucht keinen Stein in ihr zu halten, um seinem Gegenüber damit zu zeigen, wo „Gott hockt“.

Mit freundlichen Grüssen

Paul P. Herrmann, 8049 Zürich