Leserbriefe


Frau mit Klasse

Von Alma Pfeifer

Das Magazin N°9 – 2. März 2019

Guten Tag, Frau Pfeifer

Als Primarlehrerin mit 36-jähriger Erfahrung habe ich Ihren Artikel mit grossem Interesse gelesen. Genau so läuft es in der Schule! Sie haben alles so beschrieben, wie ich es auch sehe. Ich will nicht etwa sagen, dass früher alles besser war, aber das Unterrichten war einerseits anspruchsvoller, weil uns kaum Lehrmittel und Arbeitsblätter zur Verfügung standen und wir deshalb viel mehr selber zusammensuchen und herstellen mussten. Andererseits war alles viel weniger kompliziert, vor allem die Bürokratie. Schriftliche Elterninfos gab es einige wenige, z.B für die Schulreise. Ich konnte den Kindern Informationen mündlich mitteilen, die sie dann zu Hause weitergaben.

Die Aufträge in der Schule waren einfacher als heute und für fast alle gut verständlich. Vor 30 Jahren hatte ich einige wenige Kinder, die Unterstützung brauchten und Aufträge nicht auf Anhieb verstanden. Heute ist es genau umgekehrt: Mir fallen die wenigen Kinder auf, die meine Anweisungen beim ersten Mal verstehen und sie richtig ausführen können. Fast alle Kinder brauchen weitere Erklärungen und Unterstützung.

Ich unterrichte 22 Kinder der 1./2. Klasse in einer ländlichen Umgebung. Fremdsprachige Kinder sind in meiner Klasse nicht vertreten. Ein Kind ist eine Sonderschülerin, ein anderes hat eine transplantierte Niere. Einige gehen in die Logopädie, andere in die Psychomotorik. Während einigen Lektionen bekomme ich Unterstützung durch eine IF-Lehrkraft. Alleine mit meiner ganzen Klasse (ohne dass jemand fehlt) bin ich fast nie. Sie kennen es!

Und mir geht es wie Ihnen: trotz allem unterrichte ich immer noch gerne!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüsse Sie freundlich

Madeleine Steiner, Schwarzenburg