Leserbriefe


Geheimnisvolle Würde

Eine Kolumne von Niklaus Peter

Das Magazin N°44 – 2. November 2019

Der Mensch als „Ebenbild Gottes“ , aber auch die „Herrschaft über die Erde“ (dominium terrae) sind für mich die schlimmsten Aussagen der Bibel. All dies hat mit Würde gar nichts zu tun. Nach meiner Meinung sind die genannten Aussagen anmassend und falsch. Sie sind nicht von Gott, sondern von Menschen gemacht. Bis heute sorgen diese Aussagen für Respektlosigkeit gegenüber Gott, der Schöpfung und deren Geschöpfen.

Auch viele Wörter enthalten den Keim dieser Aussagen bis heute. Nehmen wir z. B. das  Wort „Juragewässerkorrektion“. Der Mensch hat also die Schöpfung, oder die Natur, „korrigiert“. Es ist wieder anmassend, denn die Natur, Gott oder die Schöpfung können wir nicht korrigieren. Man hat einfach die Gewässer abgesenkt und damit Land trockengelegt. Ob dieses Jahrhundertwerk gut oder nicht gut war, steht hier jedoch nicht zur Diskussion. Das Wort der „Schöpfer“. Ist der Schöpfer, also Gott, männlich?  Oder gibt es eine Schöpferin? Für mich gibt es einfach Gott, die  Schöpfung oder die Natur.

Kurz: Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn schon eine Ethik, dann sollte diese auf Respekt und Würde gegenüber der Schöpfung basieren. In diesem Sinne wären alle Geschöpfe, auf allen Welten, eingeschlossen. Nicht nur der Mensch, das „Ebenbild Gottes“.

Übrigens, was war vor der Schöpfung?

In der Bibel steht: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“. (1. Mose 1.1)

Auch das derzeit allgemein akzeptierte Standardmodell der Kosmologie geht von einem Anfang aus. Das Universum soll vor 13,8 Milliarden aus einem Punkt unendlicher Dichte, einer „Singularität“,  hervorgegangen sein soll. Also steht auch hier am Anfang ein Wort. Mehr können wir nicht sagen.

Mit freundlichen Grüssen

Ferdinand Schweingruber, 3172 Niederönz