Leserbriefe


Gerade Linke

Von Christof Gertsch

Das Magazin N°25 – 22. Juni 2019

Zwei unterschiedliche Politiker waren Themen in den letzten beiden Ausgaben des „Magazins“. Heinz-Christian Strache bekam gehörig aufs Dach. Tamara Funiciello wurde überwiegend positiv dargestellt. Beides zu Recht, was die Person und auch was die Mittel der Politik betrifft. Nicht unbedingt, was die politische Ausrichtung betrifft.

Denn der zukunftsträchtige Weg der Menschheit ist eine Gratwanderung zwischen links und rechts, bei dem die Prinzipien «Tragödie der Allmend» und «The winner takes it all» eine wesentliche Rolle spielen. Dies sei am Beispiel der im zweiten Artikel erwähnten portugiesischen Putzfrau dargelegt. Sie profitiert vom Lohnniveau in der Schweiz (wohl immer noch zu tief, aber höher als in Portugal), was wiederum durch den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz möglich ist (auch eine Folge des zweiten Prinzips). Gleichzeitig profitiert sie davon, dass Einwanderungskontrolle die Konkurrenz innerhalb der Schweiz beschränkt (was ebenfalls in Richtung des zweiten Prinzips geht).

Keine Frage, das Anheben tiefer Einkommen ist möglich und wünschenswert (etwa durch negative Steuer oder auch durch ein Grundeinkommen). Zumindest in der Schweiz könnte das funktionieren, obwohl es die Schweiz als Migrationsziel noch attraktiver machte. Weltweit wäre ein ähnliches Vorgehen nötig, aber langfristig nur möglich, wenn – auf welche Art auch immer – sichergestellt würde, dass die Übernahme von Verantwortung durch den Staat kompensiert wird durch Verpflichtung zur verantwortungsvollen Elternschaft. Wie gesagt, es geht um eine Gratwanderung zwischen links und rechts. Schön wäre es, wenn alle Parteien sowohl rechte Argumente als auch linke in ihre Doktrin einfliessen liessen. Es gäbe dann wohl vor allem Persönlichkeitswahlen, und da hätte Tamara Funiciello wohl die besseren Chance als der andere erwähnte Politiker.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger, 4143 Dornach SO