Leserbriefe


Grüner Widerstand

Ein Kommentar von Jakob Tanner

Das Magazin N°43 – 26. Oktober 2019

Sehr geehrter Herr Professor Tanner

Als Abonnent der „Basler Zeitung“ erhalte ich am Wochenende auch die Beilage ,,Das Magazin“. Dort lese ich noch gerne Ihre Artikel, denn Sie haben mich mit Ihrer Disser­tation über die Anbauschlacht von Friedrich Wahlen begeistert. Es ist die einzige Dissertation die ich je bestellt und gekauft habe.  Mit dem Alter werden die meisten Leute milder. Bei Ihnen ist dies nicht so ausgeprägt, was Sie irgendwie privilegiert.

Nach meinem Geschmack geht aber die positive Beurteilung der Umweltaktivisten eine Spur zu weit. Immerhin war der massive Einsatz von Farbe sicher nicht umweltschonend, und es machte zumindest Aufräumarbeiten nötig. Man will irgendwie den Teufel mit dem Pelzebuben austreiben. Wäre also für einen Umweltschützer an und für sich nicht einzu­setzen.

Es entpuppt sich auch immer mehr, dass das Umweltthema ein wunderbarer Katalysator für andere politische Motive gebraucht werden kann. So ist es nicht verwunderlich, dass im Nachgang zu den eidgenössischen Wahlen ein ganzer Strauss von politischen Forderungen ausserhalb des Umweltschutzes vorgebracht wird (Frauen im Bundesrat, andere Sitzvertei­lung, mehr staatliche Mittel für alles Mögliche etc.)

Ich vermisse dabei die Evaluation vom eigenen Einsatz für die Umwelt. Man protestiert, setzt aber direkt keine Mittel aus eigener Initiative ein. Sinnvoll wäre daher, dass man aktiv hilft, die Umwelt zu verbessern. So habe ich an meinem Haus eine Solaranlage eingerichtet, habe ein E-Auto gekauft und pflege einen grossen Garten mit Bäumen und Sträuchern. Prinzip: Bei jeder geplanten Handlung die Umweltfrage stellen. Mit selbst erbrachten Leis­tungen den Beweis erbringen, die direkt dem Umweltschutz dienen. Dann erst darf ich die ,,Klappe“ für den Umweltschutz weit aufreissen und Forderungen an die Allgemeinheit stel­len. Dies sind so einige Gedanken, die mir gekommen sind.

Mit freundlichen Grüssen
Guy Jenny