Leserbriefe


Liebe Motorradfahrer und -innen

Eine Kolumne von Max Küng

Das Magazin N°24 – 13. Juni 2020

 

Lieber Max Küng

 

Ich danke Dir herzlich für Deinen im „Magazin“ abgedruckten Brief an die lieben Motorradfahrer und –Innen, die Dir, man merkt es bald, so lieb und wert gar nicht sind.

Ich selber bin auch einer, ein Töff-Fahrer, auch Normalvelo- und E-Bike-Fahrer. Seltener auch Autofahrer (Mobility) und alle dreissig Jahre einmal Cabrio-Fahrer (wieder Mobility), dann aber ohne depperte Dächlikappe.

Ich fühle ich mich genötigt, auf Deinen liebenswürdigen Brief zu replizieren, für eine Gruppe von Töff-Fahrern und –Innen nota bene, von denen Du  – kein Wunder, so leise sind wir – noch kaum etwas  gehört hast. Für die, die sich sonntags dezent brummend eine Gegend „erwandern“, ruhig und tolerant und ohne jeglichen Tempokick. „Gümmeler“ beispielsweise, die angestrengt einen Pass hinaufstrampeln, umfahren wir möglichst „grossräumig“, oft sogar über die Sicherheitslinie hinweg. Wir sehen uns als Zierde  der Landschaft, wenn wir, mit Sozia hintendrauf oder im Seitenwagen, geruhsam einen Berggasthof ansteuern, am Passwang vielleicht oder Schelten, um dort eine würzige Bratwurst zu essen oder Käseschnitte mit Spiegelei. Das  macht auch volkswirtschaftlich Sinn.

Also merke: Wir unterscheiden uns stark von Schnöseln, die wie vom Teufel verfolgt ganze Talschaf-ten durchrasen und diese mit Krach und Gejaule erfüllen. Böse Mäuler sagen zwar, es handle sich um potentielle Organspender und insofern hätten sie auch eine Funktion. Aber uns ist das eine zu böse Anmerkung.

Im Übrigen haben wir viel Verständnis für Deine Klage, hätten es auch für Streckensperrungen am Wochenende, wenn es anders nicht geht. Und Deinen feurigen Aufruf zu mehr Respekt und Gemütlichkeit unterschreiben wir allemal. Wir möchten jetzt nur, dass Du nie nie mehr alle Motorradfahrer und –Innen in den gleichen (Auspuff-)Topf wirfst. – O.K?

Mit herzlichen Grüssen

Werner Plattner, 4054 Basel