Leserbriefe


Lieber Ben Moore (III)

Eine Kolumne von Niklaus Peter

Das Magazin N°20 – 18. Mai 2019

Lieber Herr Niklaus Peter

Sie sind ein aktiver Prediger mit einer Mission. Sie greifen sich überall vermeintlich passende Versatzstücke, um die herum Sie dann Ihre Botschaft unter die Menschen bringen. So sprachen Sie auch vermittels Pfister über Freud (Das Magazin N°23 – 10. Juni 2017 und N°26 – 1. Juli 2017). Voraussehbar und ohne Risiko wählten Sie aus fiktiven Alternativen in der Vergangenheit – Couch an der Berggasse 19 in Wien oder Couch an der Schienhutgasse 6  in Zürich – natürlich die Couch in Zürich.

Denn, so haben Sie geschrieben, „anders als für seinen Wiener Meister ist Religion für Pfister nämlich keine kollektive Zwangsneurose und Geisteskrankheit“. An der Bekanntschaft mit einer wirklichen Couch in der Gegenwart – selbstredend hinsichtlich des Wahns, der nicht erkennt, wer ihn selbst noch teilt – haben Sie sich damit natürlich erfolgreich selbst gehindert. (Das Unbehagen in der Kultur (II), S.213, Sigmund Freud Studienausgabe, Bd.IX, Conditio humana, S. Fischer)

Wir psychoanalytisch und wissenschaftlich gebildeten Atheisten / Laien wissen natürlich um ihr Dilemma, wenn Sie sich im Funken-Schatten nach fliegenden Funken sehnen. Auch können wir Ihre euphorische Selbstgefälligkeit, die Sie dabei an den Tag legen, gut deuten. Nur, wir können Ihnen bei Ihrer Sehnsucht leider nicht helfen.

Den Schritt aus dem Funken-Schatten müssen Sie schon ganz alleine wagen. Entscheiden Sie selbst: dauernde Sehnsucht oder endlich Funken-Empfang.

Ihnen als Freud- und Psychoanalyse-Kenner ist das Vorgehen dabei ja schon bestens bekannt.

Viel Glück.

Freundliche Grüsse
Hans Widmer, Dipl. Masch.ing. ETH
8304 Wallisellen