Leserbriefe


Mein Bruder

Leserbrief

Aktualisiert am 9. Dezember 2019, 3:56 Uhr

Liebe Frau Akyol

Danke.

Danke für Ihre klare, ungeschminkte Sprache.
Danke für Ihre Grosszügigkeit, uns teilhaben zu lassen am Leben von Ihnen, Ihrem Bruder Deniz und Ihrer ganzen Familie.

Beim Lesen Ihres Textes „Mein Bruder“ im „Magazin“ vom 29.6.2019 habe ich geweint, war zutiefst berührt, wütend und aufgebracht, froh und dankbar…
Der Text hat die Rubrik-Überschrift „Trisomie“ bekommen … Sie jedoch haben von Menschen und ihrem Erleben geschrieben, nicht über eine medizinische Diagnose.

Aufgebracht hat mich einmal mehr zu sehen, wie allein Sie und Ihre Eltern waren rund um die Geburt von Deniz. Wie viel Nüchternheit oder wenig hilfreiche Umstände da dominierten. Welche Isolation entstand durch die Fokussierung auf eine Diagnose, einen Zustand und Prophezeiungen über vielleicht einmal Eintreffendes … das alles wurde und wird ja dem Menschen Deniz, seiner ganzen Wesenheit, in keiner Weise gerecht.

Geweint habe ich, als ich las, wie Ihre Mutter trotz widrigsten Umständen – nach der Geburt vom eigenen Kind getrennt zu sein, und das über Tage, ist etwas zutiefst Unmenschliches – wie sie trotz dieser grossen Hürden ihr Herz öffnete für ihren Sohn und sich ihm zuwandte.

Sehr berührt haben mich die Schilderungen Ihres Erlebens als Schwester… dafür danke ich Ihnen, Sie haben mir damit Wichtiges gelehrt, für mein Leben und meine Arbeit.

Als Hebamme und Therapeutin begleite ich viele Familien im Zusammenhang mit vorgeburtlichen Untersuchungen, in der Enge nach der Entdeckung von Krankheitsbefunden, auf der Suche nach lebbaren Wegen, wenn Kinder krank sind oder ihr früher Tod prophezeit wird.

Es bewegt mich zutiefst, wie wir Menschen damit umgehen heute. Und dass es mittlerweile selten ist, dass Kinder eine Fürsorge erleben, wie Deniz das von seinen Eltern und Schwestern erlebt.

Danke, dass Sie mit Ihrem persönlichen Bericht einen Beitrag leisten, der uns beim Lesen in unserem fürsorglichen Menschsein berührt.

Herzliche Grüsse und alles Gute
Franziska Maurer, 3472 Wynigen

 

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