Leserbriefe


Mohrenkopf etc.

Von Bruno Ziauddin

Das Magazin N°25 – 20. Juni 2020

Danke, Herr Ziauddin, für Ihre Worte.

Mit Jahrgang 1948 mache ich eher einen Unterschied zwischen Rassismus aus Überzeugung oder auch familiärer Tradition und jenem aus Flapsigkeit oder unreflektierter Gewohnheit.

In den Fünfzigerjahren wurden Romanisch sprechende Bündner im bäurischen Mittelland als Russen verdächtigt. Dies dokumentiert den Umstand, dass der Mensch Andersartigkeit mit Misstrauen begegnet, dem man eine scheinbare Überlegenheit entgegenhält mit Worten (Schmähungen) und Taten (Übergriffen).

Systematische Erniedrigung einzelner Rassen, dazu gehören auch Juden, seien damit nicht verniedlicht. Heute genügt es aber nicht, sich über die Mohrenkopf-Empörung zu profilieren, eine authentische Einstellung und, wenn nötig, auch Zivilcourage im täglichen Leben sind gefragt. Zu Letzterem sind als Beispiele gemeint: sich im Tram ohne Zwang zu einer Person einer anderen Ethnie setzen und gegenüber Polizisten bei einer Kontrolle von Personen of Colour den Wunsch äussern, sich auch kontrollieren zu lassen.

Beste Grüsse
Isabelle Wanner

PS: An dieser Stelle sei Ihnen für Ihre Bücher gedankt. Das Indienbuch hat mir bei meinen Reisen (solo) andere Sichtweisen ermöglicht.