Leserbriefe


Mohrenkopf etc.

Von Bruno Ziauddin

Das Magazin N°25 – 20. Juni 2020

Lieber Bruno Ziauddin
Ihren Artikel „Mohrenkopf etc.“ habe ich mit grossem Interesse gelesen, und er hat mir sehr gefallen. Dazu möchte Ihnen folgende Geschichte erzählen.
Vor etlichen Jahren sass ich im Café Mohrenkopf in Zürich (das es bis vor kurzem noch gab), um einen Kaffee zu trinken und einen Mohrenkopf zu essen. Die Bedienung war ein junger, dunkelhäutiger Mann. Ich war verunsichert und wusste nicht, wie ich bei ihm einen Mohrenkopf bestellen sollte. Nicht weil ich das Wort als rassistisch empfand, sondern weil ich seine Gefühle nicht verletzen wollte. Ich bin also aufgestanden, zur Vitrine mit den Mohrenköpfen gegangen, habe mir einen ausgesucht, mit dem Finger darauf gezeigt und gesagt „und so einen hätte ich noch gerne“. Für mich hat das Wort Mohr nie etwas Negatives gehabt, trotz Othello, aber es geht ja nicht um mich, sondern um die Person, die es betrifft.
Und das noch: Als kleines Mädchen, also ca. 1960, war ich in Freiburg auf dem Platz vor der Universität, als ein Schwarzer mit dem Velo vorbeifuhr. Ich war begeistert und rief „und nègre“, sofort wurde ich zurechtgewiesen, das sage man nicht. Der Mann auf dem Velo drehte ab und fuhr dicht an uns vorbei, strahlte mich an und sagte „oui, un nègre“. Das war für mich eine so positive Erfahrung, dass ich mich immer gerne daran erinnere.
Es ist nicht an mir zu bestimmen, was rassistisch ist und was nicht, sondern an den Menschen, die es betrifft.
Freundliche Grüsse
Manon von Heeren