Leserbriefe


Nihilistische Outfits

Eine Kolumne von Nina Kunz

Das Magazin N°6– 9. Februar 2019

Liebe Redaktion, liebe Nina Kunz

Ich habe gerade Ihre Kolumne „Nihilistische Kleidung“ in der Schule gelesen. In Ihrem Artikel berichten Sie, dass Kleidung nichts mehr über Leute aussagt und sich alle nur noch cool geben. Früher sei das viel besser gewesen, da hätte man Personen anhand ihrer Outfits „lesen“ können.

Wie es früher war, kann ich nicht beurteilen, denn da habe ich noch nicht gelebt. Doch meiner Meinung nach sagt auch heute die Kleidung etwas über Personen aus, sogar bauchfreie T-Shirts. Da hat es zwar nicht viel Kleidung dran, aber dann sagt eben  die Freizügigkeit etwas aus. Bei Menschen, welche No-Label-Kleidung aus dem Brockenhaus und Birkenstöcke tragen, kann man doch eher davon ausgehen, dass sie sich vegetarisch ernähren, mit dem Fahrrad fahren und die Grünen wählen, als bei geschniegelte Guccischuhe Tragenden. Und auch heute könnte man das Publikum eines Rockkonzerts und das Publikum eines Klassikkonzerts anhand der Outfits richtig zuteilen. So tragen ebenfalls die Leute aus den gleichen Freundeskreisen ähnliche Kleidung, die Hipsterbrillen mit den Hipsterbrillen, die Glanzleggins mit den Glanzleggins, und das eben weil ähnliche Kleidung für ähnliches Interesse steht.

Doch auch ich bekomme manchmal die Krise von Kleidung anderer, aber nicht, weil sie nichts aussagt, sondern weil ich sie einfach schrecklich finde, doch dann denke ich mir, dass ich ja keine Squad-Goals T-Shirts aus dem H&M oder Camouflagejacken tragen muss, und lasse es wieder sein.

Mit lieben Grüssen

Emilie van Kleef,  Zürich