Leserbriefe


Norwegen statt Melancholie

Von Oliver Diggelmann

Das Magazin N°49 – 7. Dezember 2019

Sehr geehrte Redaktion,

„Das Magazin“ ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lesestoffes, an der Rte de Mollie-Margot, 1073 Mollie- Margot, für meine Ehepartnerin schon lange und dank ihrem Insistieren jetzt immer mehr auch für mich.

Der Artikel auf Seite 10 in der letzten Ausgabe hat in mir reges Interesse erweckt. Zumal ich dieses Thema teilweise in meinem neuen Buch, The Heartbeat of Excellence: The Design of Changing Sustainably, The Swiss Way, aufnehme (erscheint am 9. Januar 2020), aber einfach auch weil die Ausführungen im Text hoch aktuell sind.

Ich stimme dem Autor grundsätzlich zu und bedaure auch, dass wir unsere direkte Demokratie leider dazu benutzt haben, um in den letzten zwei Jahrzehnten populistischen Strömungen Aufschwung zu erteilen und dadurch in der Schweiz ein abwegiges Verständnis von Autonomie und Integration entstanden ist. Eigentlich könnte ich noch weiter zurückgehen und denke dabei an die Abstimmung vom 6. Dezember 1992, die meiner Erfahrung nach den Grundstein zu diesem Irrweg legte. Tragisch-komisch scheint nur, dass der geistige Urvater dieser Entwicklung Isolation für sein eigenes Land propagierte, während er in seinem privaten, professionellen Bereich das Gegenteil anwandte und Multimilliardär wurde.

Nun man sagt, das Kalb sehe nicht, wie es auf die Schlachtbank geführt wird, und alles spielte sich ja nur langsam Schritt für Schritt ab, so dass der 6. Dezember im heutigen schweizerischen Bewusstsein schon längst vergilbt ist. Schade.

Hingegen würde ich gerne einen Punkt anbringen, der in der Gedankenfolge des Autors besagten Artikels fehlt und doch einen unheimlichen Einfluss hat auf die Entwicklung und das Verständnis der heutigen norwegischen Gesellschaft. Die Lücke zwischen Schichten starken und schwachen Einkommens sei in Norwegen wesentlich kleiner als in der Schweiz. Das stimmt sicher (ich habe es aber nicht nachgeprüft). Ein Grund dazu könnte ja sein, dass  Norwegen etwa so viel Erdöl pro Einwohner fördert wie Saudi Arabien. Kein Wunder. Es ist sicherlich nobel, die Erdöleinnahmen möglichst sozial zu verteilen, was ja andere Staaten nicht unbedingt machen. Dieser Umstand wird dann aber fragwürdig, wenn wir an den Klimawandel denken, und muss daher, so wie ich es sehe, auf jeden Fall im Effizienzvergleich der norwegischen mit der schweizerischen Demokratie einbezogen werden.

Ich danke für heutiges und zukünftiges Denkmaterial,

Mit herzlichen Grüssen,

Curt Blattner