Leserbriefe


Politik im Wut-Modus

Ein Kommentar von Jakob Tanner

Das Magazin N°21– 25. Mai 2019

Professor Jakob Tanner stellt in seinem interessanten Beitrag abschliessend fest: «Es gilt, die Wut nicht zu verlieren und, weit mehr noch, ihre Regression auf rassistische und rechtsextreme Ressentiments zu verhindern.» Ich weiss zwar (oder glaubte zu wissen), was Regression und Ressentiments so ungefähr bedeutet. Hab aber dann doch bei Wikipedia und im Bertelsmanns Volkslexikon nachgeschaut: Regression steht dort für: Rückbildung oder Rückzug (des Meeres). Ressentiment steht für Vergeltungsgefühl oder heimlicher Groll. Tanners Satz könnte man demnach so kürzen: «Öffentlich wüten ist besser als heimlich (rassistisch motiviert) grollen». Oder ist vielleicht doch gemeint: «Linke Wut ist besser als rechter Groll.»

Demnach stellt sich die Frage: Lässt sich mit diesen Leitsätzen die zukünftige Geschichte  zum Besseren wenden (Tanner war Professor für Geschichte), oder ist es nicht eher so, dass ein Kompromiss zwischen Rechts und Links nötig ist. Dies etwa beim Auflösen eines gravierenden Widerspruchs innerhalb der Menschenrechte. Dies betrifft den Widerspruch zwischen dem Recht auf Eigentum und einigen anderen Rechten. Dieser Widerspruch wiegt deshalb schwer, weil die zu intensive Inanspruchnahme besagter Rechte die Ursache für die meisten aktuellen Probleme ist.

Die Überbeanspruchung des Rechts auf Eigentum lässt sich mit dem Stichwort «The Winner Takes it All» charakterisieren (Kumulieren von Vermögen durch Nutzen des technischen Vorsprungs). Die Überbeanspruchung der Rechte auf Lebensunterhalt mit dem Stichwort «Tragödie der Allmend» (Verzicht auf verantwortungsvolle Familienplanung trotz Rückgang der natürlichen Ressourcen). Die Folge sind die demografischen und ökonomischen Gräben, die zumindest reduziert werden müssen für eine gute gemeinsame Zukunft. Beim Bau einer Brücke in die Zukunft ist es ähnlich wie bei einem normalen Brückenbau, es gilt sowohl soziale Aspekte (Wohlstandsmehrung für alle) als auch technische Aspekte (Sicherheit und Finanzierbarkeit) zu berücksichtigen.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger,  4143 Dornach

PS: Vergleiche dazu eventuell auch das Buch „Die Technik reicht nicht“ BoD 2016