Leserbriefe


„Sei ein Mann!“

Eine Kolumne von Katja Früh

Das Magazin N°9 – 2. März 2019

Liebe Frau Früh

In positivem Sinne sollte dem Buben „Sei ein Mann“ doch auch Folgendes bedeuten können:

Sei zäh, lerne, auf die Zähne zu beissen, etwas aus- und durchhalten zu können und dabei zu erfahren, dass besonders Wertvolles entsprechend viel Anstrengung erfordert, dass Anstrengung einem Mann gut tut, dass die Teilhabe an der Erschaffung von etwas Wertvollem das Selbstwertgefühl befördert, welches dich unter anderem auch gegen Neid und Verletzung immunisieren kann…

Sei stark, setze dich mit aller Kraft und Entschlossenheit für die Deinen und die Schwächeren ein, wehre dich, kusche nicht aus Angst vor eigenem Schmerz, Frustration und anderen unangenehmen Gefühlen, halte sie tapfer aus, wenn sie dir passieren, lass dein Denken und Planen nicht stören davon, handle trotzdem überlegt, damit eine schwierige Situation sich zum Besseren wenden kann, kämpfe, sei im Geiste ein Krieger, der sich nicht einschüchtern lässt…

Sei mutig, gehe eine Sache an (aggredere), bleibe dran und ziehe sie durch, mach mit, verpflichte dich, lass dich ein, gib dich ein, treffe Entscheidungen, und zwar gerade in schwierigen Situationen mit zu vielen Alternativen, fass einen Entschluss, beschliesse Diskussionen, damit der arbeitsteilige Prozess weitergehen kann, stell dich in den Vordergrund, übernimm Verantwortung, steh deinen Mann, auch dann, wenn sich später zeigt, dass deine Entscheidung falsch war, jammere und winde dich nicht, sondern stehe dazu…

Sei standhaft, stehe zu dem, was du tust und bist, lass dich nicht beugen, sei gerade, aufrichtig, verbiege dich nicht, verfolge deine Linie, glaube an das Positive, ganz besonders auch in schwierigen Zeiten…

Sei einer Frau ein guter Mann, finde eine Partnerin, die das Männliche an dir so schätzen und lieben kann wie du das Weibliche an ihr, lass dich ein auf Zärtlichkeit, auf alle kraftvollen Gefühle, die dem Mann in der Geborgenheit einer gemeinsam beschützten Liebe möglich sind…

Ganz sicher lassen sich argumentative Wege finden, um diesen positiv interpretierten Sinngehalt von „Sei ein Mann“  feministisch diffamieren zu können. Aber das wäre vollkommen freiwillig! Falls es Ihnen mit meiner Unterstützung nicht gelingen sollte, spontan die guten Werte zu erkennen, stellen Sie sich als Adressaten einfach Mädchen vor. Dann werden Sie – mutatis mutandis – sicher erkennen, dass die hier zum Ausdruck gebrachten Qualitäten heute ganz allgemein als erstrebenswert gelten sollten  😉

Claudio Fumasoli,  Himmelried