Leserbriefe


„Sei ein Mann!“

Eine Kolumne von Katja Früh

Das Magazin N°9 – 2. März 2019

Sehr geehrte Frau Früh

Sie haben es tatsächlich geschafft, auf engem Raum alle denkbaren Vorurteile gegen Männer loszuwerden. Ich glaubte, Sie hätten diese Aussagen als Stilmittel eingesetzt, um dann zu einem gelungenen Abschluss zu gelangen. Weit gefehlt.

Stellen Sie sich einmal vor, ein Mann würde schreiben: Sei eine Frau! und dann den Kübel der Vorurteile voll ausgiessen. Das Geschrei wäre kaum auszumachen, und der Autor müsste wohl eine Auszeit in der Wüste nehmen.

Sei ein Mann (Mensch) hatte ich anders erlebt: Stehe hin, übernimm Verantwortung, insbesondere für Schwächere (schlicht als Menschen gedacht), sei aufrichtig, setze deine Fähigkeiten für andere und die Gesellschaft ein usw.

Ich lebe in einem Umfeld mit vielen hervorragenden Frauen, aber auch mit Männern. Menschen. Dass sich gerade erfolgreiche Frauen mit dem von Ihnen praktizierten Feminismus nicht identifizieren, sollte Ihnen bekannt sein.

Der Geschlechterkampf, hauptsächlich von gewissen Feministinnen geprägt, in der Schweiz ist nur noch peinlich. Warum in einer demokratischen Gesellschaft ein solches Feindbild geradezu zelebriert wird und darauf gesetzt wird, dass die Männer solche Texte einfach hinnehmen, ist mir ein Rätsel. Hilfreich sind solche Artikel nicht.

Aber in der Welt des grenzenlosen Diskriminierungsschutzes wird vielleicht bald der Mann zum geschützten Objekt erklärt. (Wäre natürlich dagegen.)

Zudem fehlt jede Art von Feingeist, von talentiertem Schreiben.

Freundliche Grüsse

Max Meyer, Oberengstringen