Leserbriefe


Seitentriebe

Von Nina Kunz

Das Magazin N°42 – 19. Oktober 2019

Sehr geehrte Frau Kunz

Ihr Artikel und die darin besprochene Buchauswahl können nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Eine gendergerechte Sprache muss ein Kernanliegen des Feminismus sein, wie der angehängte Artikel zeigt. Ein Grund, weshalb es in vielen Bereichen mit der Gleichstellung von Frau und Mann in unserer Gesellschaft nicht mehr richtig weitergeht, liegt meiner Meinung nach gerade eben in unserer patriarchalisch geprägten Sprache und damit eben auch in unserem Denkens, in unseren (Rollen-)Bildern etc.. Gerade JournalistInnen sollten sich dessen bewusst sein oder machen.

Es muss auch mal gesagt sein, dass die meisten Erkenntnisse nicht nur der von Ihnen besprochenen «neueren» Autorinnen überhaupt nicht neu und teilweise schon in den 70er-Jahren, spätestens aber in den 80er-Jahren von Feministinnen gewonnen, gründlich theoretisch aufgearbeitet und diskutiert wurden. So kritisierten z.B. Feministinnen schon in den 80er-Jahren, dass der Feminismus der 60er- und 70er-Jahre eine rassistische und elitäre Komponente beinhaltete, worauf auch die Praxis der Gleichstellungspolitik (teilweise) geändert wurde .

Mir leuchtet auch nicht ein, weshalb immer Männer (hier: Adorno) zitiert und damit kanonisiert werden müssen. Auch da fallen viele (feministische) Autorinnen in die Patriarchatsfalle.

Das Herumhacken auf den alten Feministinnen ist wenig zielführend, braucht es doch junge und alte, weibliche und männliche, um uns weiterzubringen.

Als Soziologin weiss ich, dass bei der Befreiung unterdrückter Personen(gruppen) Unterstützung resp. erst mal Bewusstseinsmachung nötig ist. Denn die bestunterdrückten Menschen sind diejenigen, die sich nicht bewusst sind, dass sie unterrückt sind. Auch in und durch die Sprache.

Feministische Grüsse von einer nicht verbitterten, nicht Männer, aber das Patriarchat hassenden und sich auch ab und zu schminkenden Altfeministin, wobei diese Zuschreibungen ebenfalls gründlich hinterfragt werden müssen. Auch da fallen viele in die Patriarchatsfalle. Wer hat und hatte denn seit jeher die Definitions- und Zuschreibungsmacht in unserer Gesellschaft?

Barbara Amsler,  3014 Bern