Leserbriefe


Sind wir alle nur Marionetten?

Eine Kolumne von Ben Moore

Das Magazin N°28 – 11. Juli 2020

Herr Moore mutiert immer mehr zum Astrophilosophen und tut das recht kompetent.

Zu seiner Eröffnungsfrage: Jein! Zwei Voraussetzungen braucht es für ein Ja: Erstens muss die BZ mit dem Magi in meinem Briefkasten landen, und zweitens muss ich Zeit zum Lesen haben ( was nicht jede Woche der Fall ist ).

Zu den beiden nächsten Fragen: weder noch! Es gibt Entscheidungen aller Art. Im Affekt trifft man selten eine überlegte, und nach langem Überlegen kann man immer noch die falsche wählen. Nur ein 100-prozentiger Egoist ist mindestens nach aussen völlig frei in seinen Entscheidungen. Alle anderen beziehen betroffene Mitmenschen mehr oder weniger mit ein.

Ich glaube aber auch nicht, dass wir nur Marionetten sind, denn das würde eine Macht voraussetzen, die alles unter Kontrolle hat, was den Menschen anbelangt. Bei dem Chaos auf dieser Welt müsste das ein Vollidiot sein, was wiederum der Idee der Macht widerspricht. Wir alle wissen, dass sehr viele Faktoren unser Leben mitbestimmen. Gene, Erziehung, Ausbildung, Umfeld, etc. Dann gibt es auch noch Unfälle und Zufälle.

Der Standpunkt von Sam Harris wurde ebenso bewiesen wie das Gegenteil. Geschwister mit gleichem Umfeld, gleichen Voraussetzungen und gleichen Erfahrungen trafen unabhängig voneinander, zu gleicher Zeit und auf verschiedenen Kontinenten die identische Entscheidung. Dann wiederum gibt es identische (eineiige ) Zwillinge, die wie Tag und Nacht sind. Total gegenteilig! Den alles übergreifenden freien Willen gibt es in der Tat nicht auf dieser Welt. Wie immer, wenn solche extrem gegensätzlichen Ideen verglichen werden, dürfen wir mit gutem Gewissen annehmen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Das jedenfalls ist meine bescheidene Erfahrung.

Mark Gasche, 3422 Kirchberg  BE