Leserbriefe


Typisch Frau

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°22– 1. Juni 2019

Sehr geehrter Herr Loser

In Ihrem Artikel ergiessen Sie ein eigentliches „Frauenlob“ (Heinrich von Meissen, 1250/60-1318) über die drei Bundesrätinnen, Frau Sommaruga, Frau Keller-Sutter und Frau Amherd, die – so Ihre Einschätzung – mehr bewegen und gestalten als die Männer im Bundesrat. Ich fühle mich – wohl anders als Sie – wenig kompetent, die bisherige Tätigkeit der Bundesrätinnen bzw. aller Bundesräte sachgerecht beurteilen zu können. Mich fasziniert vielmehr, was Ihr Text mit Ihnen machte und wohin Ihr (etwas anbiederndes) Lob Sie führte.

Sie reden am Schluss von „wahrer Gleichberechtigung“, und Sie sehen darin vor allem eine Einebnung der Qualitätsunterschiede zwischen Geschlechtern in Gremien. Schon diese Aussage irritiert: Warum sollen Qualitätsunterschiede nicht sein dürfen (nachdem Sie diese eben bewundert  haben)? Dann setzen Sie noch einen drauf: Wahre Gleichberechtigung bestehe in den Gremien, wenn es auch „richtig schlechte Bundesrätinnen“ gäbe. Und Sie nennen Frau Parmelin, Frau Maurer oder Frau Cassis – und verbinden diese drei Frauen (die ja existieren) mit Mittelmässigkeit. Nicht nur äussern Sie sich abschätzig über die drei genannten Frauen – Ihr etwas simples Fazit scheint zu sein: Besser mittelmässige Frauen als mittelmässige Männer? Tja, Sie wollen so frauenfreundlich sein, doch Ihr Text sagt etwas anderes.

Mit freundlichen Grüssen

Johannes Zuberbühler,  8404 Winterthur