Leserbriefe


Veganer Lebensstil

Von Finn Canonica

Das Magazin N°51/52 – 21. Dezember 2019

Kühe für die Umwelt

In seiner Kolumne „Veganer Lebensstil. Was wir alle tun können“ plädiert Finn Canonica für eine vegane Ernährung, denn die Tierhaltung sei für das Klima verheerend. Das stimmt. Wir essen zu viel Fleisch und Milch. Es hat zu viele Nutztiere in der Schweiz. Der Import von Kraftfutter sollte verboten werden. Doch Canonicas Vision, dass wir Kühe dereinst nur noch im Zoo werden besichtigen können,  wäre für  Umwelt und  Klima auch verheerend, und das aus drei Gründen: 1.  Rund zwei Drittel der Schweizer Landwirtschaftsfläche ist Gras. Zwei Drittel! Es ist zu steil oder zu steinig für den Ackerbau. Wir aber können Gras nicht essen, wir können es nicht verdauen. Wir brauchen Weidetiere, um Gras in wertvolle Proteine, also in Fleisch und Milch, zu verwandeln.  2. Viele der weltweit fruchtbarsten Böden sind tiergemacht. Weidetiere stampfen den Boden fest und düngen ihn. Je dichter und dauerhafter der Boden bewachsen ist, desto mehr Humus entsteht. So wird CO2 dauerhaft in die Wurzeln unter die Grasnarben gebunden. Boden ist nach den Ozeanen der grösste Kohlenstoffspeicher der Welt.  3. Wenn unsere Alpweiden nicht mehr bestossen werden, verganden sie. Ich sah das im Hospental: Dort überwuchern Grünerlen die ehemals beweideten Hänge. Grünerlen können selber Stickstoff binden, wachsen extrem schnell, verdrängen die Artenvielfalt – und in den Bächen entsteht Lachgas, das für das Klima 296-mal schädlicher ist als CO2. Fazit: Wenn Weidetiere nur mit Gras und Heu gefüttert werden, ergeben sie den perfekten Kreislauf: Sie fressen Gras und Heu, machen daraus Milch und Fleisch und düngen mit ihrem Dung die Weide, die sie ernährt. Die Kunst der Zukunft wird es sein, in solchen Kreisläufen und Netzwerken zu denken.

Florianne Koechlin, Münchenstein