Leserbriefe


Verschwindet die währschafte Küche?

Eine Kolumne von Christian Seiler

Das Magazin N°28 – 13. Juli 2019

Lieber Herr Seiler

Danke für Ihren Artikel zum Thema tradierte Essgewohnheiten.

Ein wesentlicher Punkt bleibt unerwähnt – neben der Tatsache, dass traditionelle Schweizer Kost mit ihrer Deftigkeit für Menschen passte, die schwere körperliche Arbeit verrichteten , und das waren alle, inkl. Frauen und Kinder; heute jedoch verbringen viele von uns den Tag mehrheitlich sitzend:

Die Wirkung des Essens auf unseren Körper ist seither untersucht worden, und wir kümmern uns darum: Wir haben heute ein Bewusstsein dafür, dass Arthritis, Gicht und Osteoporose sowie Darmkrebs nicht gottgegebene Alterserscheinungen sind, einige Diabetes-Typen auch nicht, genauso wenig wie degenerative Hirnerkrankungen gemäss neueren Untersuchungen. Wir sind nicht mehr bereit, unseren Körper nur um der Tradition willen zu übersäuern, zu überfetten und zu überzuckern; wir wollen uns nach einem Essen gestärkt und frisch fühlen, nicht erschlagen; wir wissen, dass Curcuma, gepaart mit Pfeffer, Gelenkschmerzen zum Verschwinden bringt; verzichten gerne auf den Wurst-Käse-Salat, da er Unwohlsein wie Migräne auslösen kann und die darin enthaltene Menge an tierischen Fetten wesentlich mitverantwortlich ist für die sogenannten Zivilisationskrankheiten; wir wissen (aus der Weisheit anderer Kulturen wie der jüdischen und der indisch-ayurvedischen), dass die Kombination von Fleisch und Milchprodukten (wie auch in der Rahmsauce des Zürigschnätzlets) den Körper besonders belastet und Arteriosklerose begünstigt; und wir haben eine Wahrnehmung entwickelt für energetische Zustände und wie sie mit der Nahrung zusammenhängen.

Wir haben uns gewandelt in vielerlei Hinsicht – daher macht es keinen Sinn, dass unsere Essgewohnheiten im Status wie vor hundert Jahren verharren. Ausserdem trifft nicht zu, dass unsere Mütter wie ihre Mütter kochen und diese wie die ihren – sonst würden wir noch heute hauptsächlich Kartoffeln essen. Wir ässen höchstens einmal wöchentlich Fleisch (in dieser Hinsicht verhalten wir uns sogar so traditionell wie lange nicht mehr), Teigwaren wären unbekannt, genauso wie Bananen und Riz Casimir… Unsere „traditionelle“ Confiserie bestünde nicht – wegen fehlender Schokolade.

Traditionelles Essen gibt es nicht, es hat sich immer mit der Gesellschaft gewandelt. Ja, wir übernehmen die Verantwortung dafür, dass unsere Kinder Bescheid wissen: nämlich darüber, was unsere Gesundheit fördert und was unserer Gesundheit schadet.

Freundliche Grüsse

Aline Camenzind, 8266 Steckborn