Leserbriefe


… von nun an gehts bergab

Von Simon Kuper

Das Magazin N°46 – 16. November 2019

Herr Kuper, ein Freund hat früher  gescherzt, dass mit fünfzig Halbzeit ist. Man ist nicht nur darüber, sondern alles wird noch schneller in Richtung Abtreten gehen.  Sind erst mal die Eltern weg und man rückt auf deren Stufe vor, wird’s immer enger. Hinzu kommt, man muss (sollte) sich spätestens jetzt von  einigen Angewohnheiten trennen, z.B. dem Rauchen, Saufen bis ins Koma,  dem Autofahren auf der Überholspur  usw. Da wird einem ziemlich was fehlen, bis der Entzug verdaut ist. Jassen ohne Rauchen und ein paar Biere wird reizlos!

Etwas später dann bremst die Natur  von selbst einiges. Sex ist immer noch im Kopf omnipräsent, aber die Brünnlein sind so langsam ausgetrocknet… Zu Piste und Spielfeld fehlt der Atem, und der Puls  steigt auf 180,  aber langsamer langsam.

Wo kann man sonst noch punkten? Da sind ja noch die Freunde (werden aber auch immer weniger), mit denen man gerne die «Weisst du noch?»-Epoche aufleben lässt. Befriedigt aber auch nicht wirklich.

Man wird je länger je mehr viel oder nur noch über die Gesundheit resp. die fehlende  reden und fühlt sich besser, wenn es anderen noch schlechter geht.

Man ist nun achtzig oder mehr und denkt bei Zukunftshemen: Geht mich das eigentlich noch was an?  Ich für meinen Teil habe mich bereits entschlossen, bei Bedarf keinen heldenhaften Kampf ums Leben zu führen.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Auch für die Angehörigen.

Also kein Altersheim, kein Rollator  und kein stummes  Dahinvegetieren. Altwerden ist nichts für Feiglinge, liebe 50er, aber es hat sich dennoch gelohnt. Da gibts ja auch die Kinder, die Enkel…

Klaus Zimmermann, 8953 Dietikon