Leserbriefe


Warum eigentlich nicht… Steuern hinterziehen und schwarzarbeiten

Von Bruno S. Frey

Das Magazin N°25 – 24. Juni 2017

Mir ist unklar, wie Sie dazu kommen, einen solchen Artikel zu publizieren, bisher hatte ich “Das Magazin” von einer anderen Seite kennen gelernt. Selten habe ich mich so geärgert.

Was hier als Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit deklariert wird, sind lediglich Peanuts aus der Nachbarschaftshilfe, für mich reine Augenwischerei, eine Verharmlosung und Ablenkung vom wirklichen Problem.

Der “Beobachter” schreibt z. B. in seinem am 24. Januar 2017 aktualisierten Beitrag „Fast täglich suchen beim Beobachter-Beratungszentrum Abonnenten Rat zu den Themen Schwarzgeld und Steuerhinterziehung“, und „Schätzungen zufolge werden in der Schweiz jährlich fünf bis zehn Milliarden Franken Steuern hinterzogen. Das sind rund fünf bis zehn Prozent aller Steuereinnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden  –  “ .

Oder im “Tages-Anzeiger” vom 3. 5. 2017 wird erwähnt: „In Liechtenstein liegt viel Geld aus der Schweiz: Nach Auskunft der Regierung wurden per Ende 2015 Vermögen von 210 Milliarden Franken verwaltet. Finanzmarktexperten gehen übereinstimmend davon aus, dass ein Viertel davon aus der Schweiz stammt.“ Im vergangenen Jahr gingen im Kanton St. Gallen 582 Selbstanzeigen ein wegen Steuerhinterziehung von 169 Millionen Franken Schwarzgeld, ein grosser Teil davon war in Liechtenstein versteckt, und dies soll nur der Anfang der Offenlegungen sein.

Ich befürchte, dass Ihr Artikel bereits ein Vorläufer ist im Hinblick auf die Abstimmung „Ja zum Schutz der Privatsphäre“ . Indem man das Thema völlig bagatellisiert, soll alles versucht werden, die Steuerhinterziehung wenigstens in der Schweiz aufrechtzuerhalten. Und wenn das bereits so beginnt, sehe ich schwarz für diese Abstimmung.

Mit freundlichen Grüssen

Erika Müller