Leserbriefe


Warum wir leider Atomkraftwerke brauchen

Von Eduard Kiener

Das Magazin N°20 – 18. Mai 2019

Leider ist es ja wohl zu befürchten, dass der ironische, wenn nicht zynische Schlusssatz von Eduard Kiener, bzw. Caspar Hirschi, zutrifft: Der Ausstieg aus der Atomenergie braucht unter den derzeitigen gesellschaftlichen Randbedingungen mehr Zeit.

Ob diese Verlängerungsfrist mit eigenen Gaskraftwerken oder mit Import überbrückt wird, möchte ich als Laie nicht beurteilen. Ich denke jedoch, es braucht in jedem Fall ein radikales Umdenken.

Diese Neuorientierung von Forschung, Entwicklung und Politik müsste in folgende Richtung gehen:

Der erste Punkt: Keine Bagatellisierung des Umgangs mit dem Atommüll! Kein: Zitat „Übrigens, sie ist weniger dringend als die Klimavorsorge“ (Magazin, S.25), sondern im Gegenteil: Die Sackgasse der Nagra, die Suche nach einem sogenannten “Endlager‘, soll aufgegeben werden zugunsten der Alternative sicherer, voll transparenter und jederzeit kontrollierbarer, auf ca .100 Jahre ausgelegter Zwischenlager.

Die in 100 Jahren den Forschungen in Würenlingen, beim CERN und an den ETHs entsprechenden Instanzen werden sehr wohl fähig sein, mit dem wohl gefährlichsten Nachlass unserer Gegenwart sicher umzugehen, wenn er denn jederzeit transparent, kontrollierbar und zugänglich gelagert ist.

Oder ein weiteres: Da die Sicherheitsvorschriften für solche Zwischenlager sicherlich denjenigen von AKW entsprechen müssten, wäre die Standortfrage für solche Zwischenlager leichter lösbar: Die Nagra könnte sich darauf konzentrieren, welche Standorte stillgelegter Kernkraftwerke sich geologisch und siedlungsplanerisch als Ort solcher Zwischenlager am besten eignen, und dann diese AKW in Zwischenlager für 100 Jahre umzubauen. Schön wäre es, wenn die Forschung und Entwicklung in der Lage wäre, die abklingende Kernwärme in Heizwärme für die Umgebung umzuwandeln.

Und damit komme ich zurück zum Vorschlag E. Kiener für weitere Atomkraftwerke: Für die Generation V müsste dann die technische Forschung und Entwicklung so weit fortgeschritten sein, das dieses künftige Atomkraftwerk gleich seine Atommülldeponie voll transparent und jederzeit zugänglich für weitere 100 Jahre integriert mit eingebaut erhält. (Ich nehme angesichts der Tätigkeit der Sackgasse Nagra nicht an, dass die Generation IV das schon vorsieht.)

Mein Schluss aus diesen Überlegungen: keine neuen AKW ohne sichere, voll transparente und jederzeit zugängliche Zwischenlagerung des Atommülls!

Es  g i b t  keine Endlagerung! Das Sicherste ist die permanent bewusste Präsenz des Unsicheren.

Hermann Huber, Architekt SWB

8902 Urdorf