Leserbriefe


Warum wir leider Atomkraftwerke brauchen

Von Eduard Kiener

Das Magazin N°20 – 18. Mai 2019

Bereits vor zwanzig Jahren hatte ich in einer Studie an der ETH die zukünftige Energieversorgung analysiert und bin zum Schluss gekommen, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien ökonomisch und ökologisch Sinn macht. Leider herrschte und herrscht im BFE immer noch der alte Geist, wie sich am Artikel von Eduard Kiener gut erkennen lässt. Es bestehen immer noch zu viele Vorurteile und falsche Annahmen in der Analyse von Herrn Eduard Kiener. Die erste falsche Annahme ist: Es geht nicht. Deutschland hat es bewiesen, dass der Umstieg auf erneuerbare sehr wohl geht. Unterdessen produzieren sie bereits 37.8 Prozent des Stroms mit neuen erneuerbaren Energien über Wind-und Solaranlagen. Dies entspricht ziemlich genau der Energie, die unsere Atomkraftwerke produzieren. Zugegebenermassen haben die Deutschen mit den Subventionen einen hohen Preis dafür bezahlt. Dies führte aber dank den grossen Produktionsmengen dazu, dass die Technologien Wind und Solar unterdessen wirtschaftlich konkurrenzfähig sind.

Eduard Kiener zitiert auch eine Studie vom Paul Scherrer Institut. Dieses Institut ist leider auch im Atomzeitalter stecken geblieben. Dass die Photovoltaik Unmengen an CO2 freisetzen soll, ist nicht nachvollziehbar. Nur wenn die Energie zur Produktion aus fossiler Quelle stammt, mag Photovoltaik mit relevanten Mengen CO2 behaftet sein. In China gibt es jedoch schon Solarfarmen mit der Leistung von einigen Gigawatt, womit dort die Solarmodule CO2-neutral produziert werden können.

Dass sich die Lenkungsabgabe auf CO2 und Atomstrom politisch noch nicht durchgesetzt hat, ist ein Desaster. Diese würde nämlich erlauben, dass sich die erneuerbaren Energien lösungsneutral entwickeln können und sich auch die besten Speichertechnologien durchsetzen können. Leider hat es das BFE wegen des alten Geistes bisher verpasst, eine gute Lösung aufzugleisen. Das Winter/ Sommer-Problem kann tatsächlich mit Power to Gas gelöst werden. Dort könnte die Schweiz gar eine führende Rolle einnehmen. Die EPFL und die Fachhochschule Rapperswil sind auf diesem Gebiet weltweit führend und benötigen nun den nötigen Anschub für den wirtschaftlichen Durchbruch dieser Technologie.

Die Bevölkerung ist offensichtlich bereit für den Wandel. Es braucht nun die richtigen Rahmenbedingungen von der Politik, damit auf jedes Hausdach, das noch gut in Takt ist, neu gebaut wird oder umgebaut wird, eine Photovoltaikanlage kommt. Dies ist volkswirtschaftlich der günstigste Weg, um die notwendige Energie zeitgerecht zu erzeugen, bevor uns die ältesten Atomkraftwerke der Welt um die Ohren fliegen.

Freundlicher Gruss

Alex Brun, Dipl. Bepr. Ing. ETH

Geschäftsführer Suntainable AG

8126 Zumikon

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