Leserbriefe


Wir brauchen eine neue Moral!

Eine Kolumne von Ben Moore

Das Magazin N°26 – 29. Juni 2019

Professor Ben Moore berichtet von einem Forschungsresultat aus Oxford, nach dem in allen Kulturen «sieben universelle moralische Regeln» als unverzichtbare Grundlage fürs Zusammenleben betrachtet werden.

Angesichts der Probleme, die unsere heutige Gesellschaft zu bewältigen hat», schlägt Moore vor, eine achte Regel anzufügen, die «das Leben und die Erde als Ganzes ehrt».

Das eigentliche Problem an besagtem Regelwerk ist jedoch nicht Unvollständigkeit, sondern es sind Widersprüche.

Dies betrifft speziell die Regeln Nr. 6 und 7: «teile Ressourcen gerecht auf und respektiere das Eigentum anderer». Der Grund, warum diese Widersprüche erst seit kurzem eine Rolle spielen, liegt im technischen Fortschritt, der das Prinzip «The winner takes it all» fördert. Das verursacht demografische und ökologische Gräben (grossteils zwischen Nord und Süd).

Die Wirkung demografischer Gräben lässt sich verdeutlichen, indem man Südkorea und Niger vergleicht (Geburtenrate unter 1 bzw. über 5). Die Gräben werden geschaffen durch die unterschiedlichen Perspektiven, die die Jugendlichen beider Länder haben (Teilnahme am ökonomischen Wettlauf oder Suche nach Ersatzperspektiven, die das Bevölkerungswachstum fördern).

Es ist zweifellos eine Forderung der Gerechtigkeit (Regel Nr. 6), allen Jugendlichen der Welt vergleichbare ökologische Perspektiven zu bieten (etwa durch offene Grenzen). Doch andererseits würde ein gerechtes Aufteilen der dafür nötigen Ressourcen das Recht auf Eigentum (Regel Nr. 7) ignorieren und trotzdem zu keiner nachhaltigen Lösung führen. So beträgt auch in Südkorea die Jugendarbeitslosigkeit über 10 Prozent.

Um den Widerspruch zu beseitigen (und damit auch wesentliche aktuelle Probleme der Menschheit), ist zwar Leistungstransfer nötig. Doch dieser muss verbunden sein mit einer gerechten Verteilung der Verantwortung und einer Untersuchung der Möglichkeiten, die negativen Folgen der Gräben zu bereinigen. Dies zum Nutzen aller, etwa auch der Jugendlichen in Südkorea, deren Situation gekennzeichnet ist durch einen dramatischen Bildungsstress.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger,  4143 Dornach SO