Leserbriefe


Abtreibungen

Eine Kolumne von Nina Kunz

Das Magazin N°25 – 22. Juni 2019

Thema Abtreibung: Basis und Unvoreingenommenheit

 

Der Schwangerschaftsabbruch gilt als Entwicklungsschritt und Sieg der Selbstbestimmung in der heutigen Gesellschaft. Freiheiten beziehen sich nur auf die selbstbezogene Situation des gegenwärtigen Empfindens (emotional) und entstehen aus dem anerzogenen Egoismus (Ellbogenfreiheit). Diese Freiheit basiert auf einem Rationalismus der Beurteilungskriterien, die Vielfalt auszuschliessen bereit ist, was nicht ins Schema passt. Freiheiten sind eine zu erstrebende Basis für eine Selbstentfaltung – aber auch Freiheiten brauchen ihre Grenzen, die alle Individuen aus eigener Verantwortung und Einsichten festzulegen bereit sind.

Die Frage stellt sich: Welche Einsichten bestimmen unser Handeln und unsere Urteilsabwägung? Im Egoismus wird klar, dass das eigene Wohlbefinden an erster Stelle steht. Ist der Rahmen für Entscheidungsfähigkeiten damit erfüllt? Damit zeigt sich, dass in der Selbstbezogenheit das mögliche, erweiterte Spektrum der Überprüfbarkeiten abgibt und damit rationell fixiert und erstarrt zurückbleibt.

Gehen wir davon aus, dass der heutige Mensch über „das Leben“ eigentlich in völliger Umnachtung gelassen wird. Er sieht, wie sich in der Natur grosse Weisheiten offenbaren – er sieht wie das Wachstum der Pflanzen, das Blühen und der Fruchtstand in den Jahreszeiten sich manifestieren. Das dahinter sich ereignende Kräfte wirken, das eine solche Erscheinung möglich macht, bleibt unbeobachtet und „verschleiert“.

Können wir dazu ein Verständnis aufbauen – oder sind wir  gewillt, diese Lebendigkeit durchschauen zu lernen? Wenn wir dieses Verständnis nicht aufbringen können – dürfen wir dann über Leben entscheiden, das wir (noch) nicht verstehen können? Ungeborenes Leben pulsiert auch im Fötus, das können wir mit den gegebenen Apparaturen sichtbar machen. Weiter wissen wir, dass ein Fötus zum Kind werden will. Der Rationalismus setzt der unbewussten Verantwortung die bewusste Freiheitsideologie entgegen, die die Grenzen dahin erweitert, wo Leben nicht verstanden werden will. Damit wird durch Gesetzesartikel untermauert, was legal ist und somit „abgehakt“ werden kann. Mehrheiten bestimmen, worüber nicht „gestritten“ werden darf.

Das ist unsere Wirklichkeit, die nun sichtbar wird in all den Problemen, wo wir uns nicht genügend bemühen wollen, was wirklich geschieht und „dahintersteckt“. Das weist auf erweiterte Grenzen hin, die erst erschaffen werden müssten. Gewohnheiten lassen aber Bemühungen selbst da unberücksichtigt, wo Frauen in ihrem Urteilsvermögen zum Schwangerschaftsabbruch eine menschliche Unterstützung und einen ganzheitlichen Einblick ergeben müssten. Damit braucht die menschliche Not in den Gegebenheiten erweiterte Hilfestellungen, die aber zum vollen Bewusstsein in den Handlungsbedarf der Entscheidungsfindung einmünden sollen. Das kann aber nicht mit einem Gesetzesartikel des Selbstbestimmungsrechtes zur Normalität des übergangenen Entscheidungsprozesses verunstaltet werden. Mensch besinne dich – das Sinnhafte sollte ohne emotionale Beweggründe zu einem geisthaften Lebensschritt erhöht werden können, was lebensgestalterische Inhalten den zeitnotwendigen Weg offen halten kann. 

 

Max Müller, Zürich