Leserbriefe


„Das Schraubenproblem“ – Leserbrief zu einem Leserbrief

Von Ion Karagounis

Das Magazin N°50 – 14. Dezember 2019

Darauf warten, bis ein Lehrstuhl für kreatives Schrumpfen ins Leben gerufen wird, kann erfahrungsgemäss lange dauern, zu lange. Darum hier schon einmal eine Idee, wie die Schattenseiten des derzeitigen Wirtschaftssystems beseitigt werden können.

Bisher wurde uns eingetrichtert, dass der Mensch nur in die Gänge kommt, wenn ihm möglichst viel Geld winkt und er mehr und mehr konsumieren kann. Diese Denkweise ist meiner Meinung nach grundfalsch und wurde auch nie ernsthaft überprüft. Darum: Gleicher Lohn für alle. Für ALLE. Vom Unternehmensleiter bis zum Strassenbauarbeiter, von der Krankenschwester bis zur Bundesrätin. Zuoberst steht dabei die Verrichtung notwendiger Arbeiten, die Produktion notwendiger ökologischer Produkte.

Der Mehrgewinn nach Abzug von Löhnen und Investitionen geht an die Gemeinschaft. Statt Gier nach Geld also Liebe zum Notwendigen. Als Arbeitszeit stelle ich mir vier bis sechs  Stunden vor, je nach Arbeitsanfall. In der übrigen Zeit kann der Mensch tun und lassen, was er will: singen, tanzen, gärtnern, Sport treiben, sich austauschen, sich treiben lassen, sich selbst erforschen – was auch immer.

Gut und Geld als Wurst vor der Nase haben ausgedient und gehören in die Mottenkiste.

23. Dezember 2019

William Möritz, 8055 Zürich

 

Herr Möritz möge mir verzeihen, aber er macht ein paar grundlegende Denkfehler, die man so nicht stehen lassen kann.

  1. Zum Schrumpfen braucht es kein kreatives Lehren und/oder Lernen. Es reicht, wenn man abstreicht, abhackt, loslässt oder abspeckt. Das könnte jedermann und -frau. Es fehlt aber am Wollen, nicht am Wissen!
  2. Schattenseiten sind zwar das Gegenteil von Sonnenseiten, aber noch lange nicht dasjenige von Fortschritt!
  3. Die wirklich reichen Leute geben verhältnismässig viel weniger aus als die grosse Mehrheit der «normalen Menschen»!
  4. Die wenigsten Neugeborenen werden einer «Hirnwäsche» unterzogen!
  5. Was sie nachher eigenständig beobachten können, ist die Tatsache, dass Armut selten bis nie von den Betroffenen gewollt ist!
  6. Kommunismus und totaler Sozialismus wurden vom Volk schliesslich als untauglich abgeschafft. Geht mit dem Modell Homo sapiens ganz einfach nicht!
  7. «Gleicher Lohn für alle» brauchte die totale Staatskontrolle. Ich überlasse es jedem Leser, dazu auch nur ein einziges nachhaltiges Beispiel zu nennen, wo so etwas funktioniert!
  8. Je mehr Freizeit, desto mehr Geld braucht man für die Hobbys und Aktivitäten. Frage: Woher soll das Geld kommen ?
  9. Gut und Geld stellen vielleicht nicht den philosophischen Idealfall von Wirtschaft und Gesellschaft dar. Allerdings werden die wenigsten Menschen vom «Träumen» satt!

Zum Schluss gilt es festzuhalten, dass die wenigsten Menschen wissen, was eine Mottenkiste ist, geschweige denn eine besitzen !

 

26. Dezember 2019

Mark Gasche, 3422 Kirchberg  BE