Leserbriefe


Du sollst dein Kind nicht loben

Ein Gespräch von Christof Gertsch

Das Magazin N°47 – 23. November 2019

Als Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeut wie auch als Vater und Grossvater freue ich mich sehr darüber, dass Sie über Alfie Kohns Erziehungstheorie berichten. (Ich lobe Sie, wie Sie sehen, durchaus mit der Absicht, dass Sie noch mehr derartige Artikel bringen.)  Alfie Kohn bringt sehr wichtige Erkenntnisse auf den Punkt, und ich stimme ihm in allem zu, was er sagt. Was ich allerdings beim Artikel im „Magazin“ sehr bedaure, ist die fehlende Unterscheidung zwischen manipulativen Belohnungsinterventionen einerseits und nicht-manipulativ begründetem Lob andererseits. Der reisserisch aufgemachte Titel «Du sollst dein Kind nicht loben» beruht auf einem Missverständnis und verunsichert Eltern unnötig. Er müsste lauten: «Manipuliere dein Kind weder mit Lob noch mit Strafen». Echtes Lob ohne Hintergedanken, das also nicht einem Erziehungszweck und nicht der Machtausübung dient, hat noch nie einem Kind und auch noch keinem Erwachsenen geschadet, sondern ist sozial durchaus wertvoll.

Freundliche Grüsse

Daniel Barth, Solothurn