Leserbriefe


Produktive Zerstörung

Von Sven Behrisch

Das Magazin N°25 – 20. Juni 2020

Sehr geehrter Herr Behrisch

Bei der Lektüre Ihres Berichtes „Produktive Zerstörung“ über die brutale Taktik der Hummeln, durch das Perforieren von Blättern die Pflanzen zur frühzeitigen Blüte zu bringen, musste ich mich doch sehr wundern. Nicht so sehr über die Findigkeit der Hummeln, sondern eher über die Ahnungslosigkeit der Wissenschaftler.

Offenbar ist die Spezialisierung in der heutigen akademischen Ausbildung so extrem, dass Forschende, die sich mit der Welt der Insekten befassen, keine Ahnung vom Leben der Pflanzen haben. Schon vor über fünfzig Jahren, während meiner landwirtschaftlichen Ausbildung, wurde mir der Begriff der „Notblüte“ geläufig. Dieser beschreibt, dass Pflanzen, die unter Stress geraten (durch Trockenheit, Schädlinge, Nährstoffmangel usw.), zur Erhaltung der Art möglichst schnell (noch vor dem Absterben) Samen bilden wollen und dazu eine verfrühte Blüte einleiten.

Wenn nun schon seit Jahrhunderten nach einem Mittel zur Beschleunigung der Blüte gesucht wird, betrifft dies wahrscheinlich vor allem Zierpflanzen, deren Erscheinungsbild durch die Stress-Therapie wohl zu stark leiden würde.
Zum Schluss ein Tipp für Forschende: Zuerst konsultieren, was zum Thema schon publiziert wurde, oder kurz in Wikipedia nachschauen.

Mi freundlichen Grüssen
Ernst Schlatter, Hinwil