Leserbriefe


So geht Politik

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°26 – 27. Juni 2020

Guten Abend, Herr Loser

1985 trat das BVG, die zweite Säule, in Kraft. Da wurde die Firma, in der ich 28 Jahre gearbeitet hatte, liquidiert. 1993 wurde ich andernorts zum zweiten Mal auf die Strasse gestellt. Meine Arbeit wurde auf zwei junge Schweizerinnen aufgeteilt. Niemand sprach damals von zu viel Einwanderung. Die Lohneinbussen, die ich erlitt, wirken sich bis an mein Lebensende auf eine tiefere AHV aus.

Weder der Bundesrat – seinerzeit Frau Dreyfuss, heute Herr Berset – noch die Journalistenzunft wollte zugeben, dass etwas an der zweiten Säule faul ist, wenn über 55-Jährigen gekündigt wird.

Als Einsteiger in den Beruf kostet man den Arbeitgeber erst nach Vollendung des 25. Altersjahres 3,5 % des koordinierten Lohnes. Wenn der Lohn normalerweise am höchsten ist, kostet dies die Firma 9 % und eventuell noch eine Weiterbildung des Angestellten. Also weg mit ihm. Eine junge Person muss zwar auch angelehrt werden. Die BVG-Kosten sind aber erheblich tiefer.

Zudem geht vergessen, dass mit dem heutigen System bis zum Alter von 45 Jahren herzlich wenig angespart wird (10 x 7% und 10 x 10 %, Firma + Versicherter). Die Folge sehen wir, seit der Nullzins- Politik:  Herunterschrauben der dereinst auszuzahlenden Rente.

Seinerzeit zahlten ab dem 25. Altersjahr alle Jahrgänge der Angestellten von Firmen mit Pensionskasse 8 bis 9 % des Lohnes minus Koordinationsabzug, ebenso viel wie die Arbeitgeber. Die Einführung des BVG hätte für jene Firmen ohne Pensionskasse stufenweise erfolgen müssen.

Abgesehen von all jenen Menschen, die im Zuge der Digitalisierung und Roboterisierung „eingespart“ werden, wird es immer mehr Leute im AHV-Alter geben, die eine Zusatzrente beanspruchen. Woher wird dieses Geld kommen?

Freundliche Grüsse

Erika Affolter, 3014 Bern