Leserbriefe


So geht Politik

Ein Kommentar von Philipp Loser

Das Magazin N°26 – 27. Juni 2020

Sehr geehrter Herr Loser

Jede Woche lese ich mit Interesse Ihren jeweiligen Artikel im „Magazin“, und dies gilt auch für Ihr Loblied an Frau Keller-Sutter. Jedoch haben Sie ein Thema nicht erwähnt, wo sie kläglich gescheitert ist und weiterhin scheitert, nämlich im Flüchtlingswesen.

Im Zusammenhang mit den katastrophalen Zuständen in den Flüchtlingslagern – Hotspots bzw. Registration and Identification Centres RIC – auf fünf griechischen Inseln redet sie immer wieder von „Hilfe vor Ort“. Jedoch vor Ort sieht man nichts, das nicht dank nur NGOs zustande gekommen, und gar nichts, das auf Schweizer „Hilfe vor Ort“ zurückzuführen ist. Okay, nach Monaten lavieren hat die Schweiz ein Dutzend oder so unbegleitete Kinder hierhergeholt; ist dies wirklich ein Leistungsbeweis? Des Weiteren steckt die Schweiz Geld in den „Grenzschutz“, mit dem Ziel, Flüchtlingen die Einreise in Griechenland/Europa zu verunmöglichen. Dadurch werden sie bei der Ausübung ihres Rechts, Asyl zu beantragen, behindert. Dies stellt eine krasse Verletzung des Artikels 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte* dar.

In diesem Thema etwas zustande zu bringen wäre eine ungleich höhere Herausforderung als die Angelegenheiten, die Sie erwähnten, wobei:

  • nach der grosszügigen Steuergelder-Ausschüttung an „die Wirtschaft“ eine Verweigerung der Unterstützung einer Vorrente für über Sechzigjährige, auch für die Bürgerlichen, nur schwer zu begründen wäre.
  • bei der Mehrheit der Bürgerlichen  die Verwässerung der Konzernverantwortungsinitiative bis zur Unkenntlichkeit ein Open-Goal war.

Diese Beispiele zeigen, dass Frau Keller-Sutter Erfolg in einfacheren Situationen hat, aber sie ist kein Schwergewicht, das heikle Themen angehen kann.

Wenn Frau Keller-Sutter einen wertvollen Beitrag zur Linderung der unsäglichen Umstände in den erwähnten Camps zustande bringen würde, wäre Lob eher angebracht.

Schlussbemerkung:

Frau Keller-Sutters Vorstoss bei der Konzernverantwortungsinitiative ist genau das Gegenteil der gepredigten „Hilfe vor Ort“. Die angestrebten Gesetze könnten wirklich etwas „vor Ort“ verbessern – zwar nicht direkt in den Camps, aber doch wo Völker unter Umweltschäden leiden und faktisch gezwungen werden zu flüchten.

  • If you don’t want refugees, stop creating them.
  • Wenn Sie Flüchtlinge nicht wollen, hören Sie sofort auf, sie zu kreieren.

Freundliche Grüsse

Iain Campbell, 3054 Schüpfen