Leserbriefe


Wir Bobos

Von Esther Grosjean

Das Magazin N°46 – 16. November 2019

Esther Grosjean beginnt ihren Beitrag mit den Worten: «Uns geht es gut. Wir arbeiten ja auch hart an unserem Glück. Das allein ist ein Privileg.» Aber wer ist schuld, dass es anderen nicht so gut geht wie uns? Und was können wir machen, diesen Zustand zu ändern? Bringt es etwas, wenn wir andere auffordern, genauso hart an ihrem Glück zu arbeiten?

Um Antworten zu finden, muss man zunächst davon ausgehen, dass es Gräben gibt. Auf der einen Seite der «Norden» mit wenigen Kindern und grossem ökologischem Footprint, auf der anderen Seite der «Süden» mit hohem Bevölkerungswachstum und tiefem Footprint.

Illustrieren lässt sich der demografische Graben durch den Vergleich Südkoreas mit Nigeria. Südkorea hat eine Geburtenrate unter 1. Nigeria eine von 5.5. Im Jahre 2100 wird Nigeria laut einer Hochrechnung der UN mehr Einwohner haben als Europa. Ähnliche Gräben gibt es weltweit, nur sind sie oft weniger gut erfasst, weil sie innerhalb von Staaten liegen.

Den notwendigen guten Weg in die Zukunft weist folgende Anwendung des Kantschen Imperativs: «Lebe so, dass die Menschheit gut fortbestehen kann, wenn alle so handelten wie du!»

Hätten alle Staaten die tiefe Geburtenrate Südkoreas (Halbierung der Bevölkerung innerhalb einer Generation), dann könnten die ökologischen Probleme der Menschheit gelöst werden, auch bei den heutigen hohen Footprints. Hingegen, hätte alle Staaten die hohe Geburtenrate Nigerias (Verdoppelung innert 30 Jahren), dann nützten auch tiefe Footprints nichts. Denn Footprints lassen sich bei geeignetem Druck senken, Einwohnerzahlen nicht so einfach.

Entsprechend dem Kantschen Imperativ sollte klar sein, wo ein wesentlicher Schwerpunkt bei der Suche nach einem guten Weg in die Zukunft zu setzen ist.

Selbstverständlich müssen wir Wege finden, unseren Footprint zu senken. Aber daneben gibt es eine andere Verpflichtung. Schliesslich ist die heutige Situation auch entstanden durch die negativen Nebenwirkungen des technischen Fortschritts, für den vor allem der Norden verantwortlich ist. Daher sind wir auch verantwortlich, aufzuzeigen, wie der Kantsche Imperativ als Richtschnur durchgesetzt werden kann.

Mit freundlichen Grüssen

Gernot Gwehenberger,  4143 Dornach SO